Wie fotografiere ich einen perfekten Sonnenuntergang? 10 Tipps für das ultimative Foto oder Video
- (01) Denke an die passende Ausrüstung
- (02) Stelle die Kamera richtig ein: RAW-Format, Fokus, gegebenenfalls Spiegelvorauslösung
- (03) Belichtungszeit und Blende im manuellen Modus
- (04) Filter: ND-Filter und Reverse-Filter als echte Game-Changer
- (05) Equipment reinigen
- (06) Vögel: Freund und Feind zugleich
- (07) Foto-Apps nutzen
- (08) Tele oder Weitwinkel?
- (09) Rechtzeitig vor Ort sein, länger da bleiben
- (10) Kleidung und Taschenlampe
(01) Denke an die passende Ausrüstung
Spontan hat wohl kaum jemand sein gesamtes Fotoequipment dabei, in der Regel aber sein Smartphone. Auch hiermit kann man schöne Sonnenuntergänge für die Ewigkeit festhalten, wird aber später schnell feststellen, dass diese Bilder schöne emotionale Erinnerungen sind, aber qualitativ gerade in der vergrößerten Ansicht Schwächen aufweisen.
Wenn Du vorhast, qualitativ hochwertige Sonnenuntergänge zu fotografieren, dann brauchst Du ein Mindestmaß an Ausrüstung, welches ich in dem Artikel „Workflow für Zeitraffer-Videos“ ausführlich beschrieben habe. Die Mindestausrüstung wäre aus meiner Sicht die folgende:
- Eine Fotokamera, die man auf einem Stativ befestigen kann, die einen externen Intervallauslöser zulässt und einen manuellen Modus beinhaltet. Ich selber nutze Nikon APS-C-Kameras, hier gibt es aber mit Sony, Canon & Co. noch weitere Anbieter. Den Hersteller wird man eher nach Geschmack oder eigener Historie auswählen, das Modell eher nach verfügbarem Budget. Demnach hier keine Empfehlung von mir, die Kamera sollte aber möglichst ein gutes Rauschverhalten bei schlechten Lichtverhältnissen aufweisen.
- Ein Objektiv, welches möglichst scharf abbildet und eher im Weitwinkelbereich beheimatet ist. Bei Tele-Objektive mit längeren Brennweiten nimmt man sich in der Regel den Blick auf einen wunderschönen Sonnenuntergangshimmel. Ein Objektiv hat einen viel größeren Einfluss auf das spätere Ergebnis als der Body der Kamera, also auf gar keinen Fall unterschätzen. Ich selber nutze das Sigma 18-35mm F1.8 DC HSM für Nikon und habe meine Begeisterung in dem Artikel „Sigma 18-35 mm f/1.8“ ausführlich begründet. Dem einen oder anderen mag dieses Objektiv zu schwer sein, es liefert aber knackscharfe Fotos bei einer brutal guten Lichtstärke.
- Einen Intervall-Auslöser inklusive gegebenenfalls notwendigem Kabel, sofern man nicht den in der Kamera verbauten Intervallauslöser verwenden möchte. Der Intervallauslöser ermöglicht es, die Kamera beim Auslösen für ein Foto oder eine ganze Serie bei einem Video nicht anfassen zu müssen. Warum es Vorteile mit sich bringt, nicht den Kamera-Intervallauslöser zu verwenden, habe ich in dem Artikel „Profi-Fernauslöser“ analysiert. Eine Empfehlung ist der LRTimelapse Pro Timer 3, gerade wenn man Zeitrafferaufnahmen für Sonnenuntergangs-Videos erstellt
- Ein Stativ. Egal ob Video, nur ein Foto oder eine ganze Serie von Fotos für ein Zeitraffervideo, um ein Stativ kommt man nicht herum. Bei Neukauf eines Statives empfehle ich, vorher meinen Artikel „Auswahl eines Statives“ zu lesen, um die unüberschaubare Auswahl an Stativen eingrenzen zu können. Als ein von mir verwendetes Stativ kann ich das CT-5C von Rollei empfehlen, akzeptables Gewicht, stabil, Preis ok, siehe meinen Artikel „Rollei Reisestativ CT-5C„.
- Der Rest der Ausrüstung (vor allem Filter) ist optional zu sehen und ergibt sich nach eigenen Erfordernissen und Ansprüchen, hier sei nochmal der Artikel „Workflow für Zeitraffer-Videos“ mit einer ausführlichen Beschreibung des Equipments angepriesen.
(02) Stelle die Kamera richtig ein: RAW-Format, Fokus, gegebenenfalls Spiegelvorauslösung
Vorausgesetzt, Du setzt eine Kamera ein, welche die folgenden Einstellung zulässt, empfehle ich folgende Grundeinstellungen:
- Fotografiere unbedingt im RAW-Format und nicht im JPG-Format. Warum? Bei Sonnenuntergängen fotografiert man im Grenzbereich dessen, was ein Kamerasensor noch abbilden kann. In der Regel hat man einen bereits abgedunkelten Vordergrund und einen sehr hellen Himmel.
- RAW-Dateien enthalten alle Bildinformationen, die der Sensor der Kamera aufnimmt, ohne Verlust durch Kompression oder Bearbeitung. Im Endergebnis bekommt man also eine maximal mögliche Bildqualität.
- Da RAW-Dateien mehr Daten enthalten, haben Sie mehr Spielraum bei der Bearbeitung von Belichtung, Weißabgleich und anderen Bildparametern. Man hat also eine viel größere Flexibilität bei der Nachbearbeitung.
- Über- oder unterbelichtete Bereiche lassen sich in RAW-Dateien oft besser korrigieren, ohne dass es zu Qualitätsverlusten kommt
- Im Gegensatz zu JPGs, die bei der Kompression Daten verlieren, bleiben in RAW-Dateien alle Informationen erhalten. Man hat also keinen Qualitätsverlust durch Kompression:
- RAW-Dateien bieten eine höhere Farbtiefe, was zu präziseren Farben und weniger Banding in Farbverläufen führt. Man profitiert damit von einer präziseren Farbkontrolle:
- Nachteile: Es ist jedoch zu beachten, dass RAW-Dateien größer sind und daher mehr Speicherplatz benötigen. Außerdem erfordern sie eine spezielle Software zur Bearbeitung und Konvertierung in andere Formate, in der Regel JPEG. Und: Sie erfordern überhaupt eine Nachbearbeitung, was bei JPEG nicht unbedingt notwendig ist. Für professionelle Fotografen und Enthusiasten, die das Maximum aus ihren Bildern herausholen möchten, überwiegen die Vorteile von RAW jedoch in der Regel die Nachteile.
- Abhilfe: Die Kameras bieten häufig die Möglichkeit, das beide Formate gespeichert werden. So hätte man das sofort entwickelte Foto in JPEG und das RAW-Format, um noch das letzte aus den Fotos in der Nachbearbeitung zu rauszuholen
- Den Fokus scharfstellen und dann auf Manuell umstellen. Mit zunehmender Dunkelheit wird die Kamera zunehmend Schwierigkeiten haben, den Fokus scharfzustellen, von daher lohnt es sich, diesen einmal exakt über die Kamera-Fokusautomatik scharfzustellen und dann auf Manuell umzustellen
- Bei längeren Belichtungszeiten und Spiegelreflex-Kameras sollte man überlegen, die Spiegelvorauslösung zu verwenden, um auch noch die letzten Schwingungen und damit Verwackler zu eliminieren
(03) Belichtungszeit und Blende im manuellen Modus
Richtig gelesen: Manueller Modus. Wie gesagt bewegen wir uns durch die direkte Sonneneinstrahlung auf den Sensor bei eher dunklen Elementen im Vordergrund im Grenzbereich der Fotografie, wo die Automatik nicht immer das gewünschte Ergebnis liefert. Ohne zusätzliche Filter müssen wir dadurch häufig zwischen über- und unterbelichteten Bildern entscheiden. Wir entscheiden uns dafür, eher unterzubelichten. Bei dunklen Bildbereichen ist man in der Nachbearbeitung immer wieder überrascht, welche detaillierten Bildinformationen noch vorhanden sind. Stark überbelichtete („ausgebrannte“) Bildstellen sind hingegen nicht mehr zu retten. Bei der Blende ist in der Regel eine große Tiefenschärfe gewünscht, spricht also für Blenden zwischen ca. 8 bis 11. Bei höheren Blendenzahlen neigen die Objektive zu schlechteren Abbildungsleistungen, bei kleineren nimmt die Tiefenschärfe ab. Höhere Blendenzahlen verstärken sogenannte Sonnenkranzeffekte, die wenn sie so gewollt sind aus der Sonne eine Art leuchtenden Stern machen. Die ISO-Zahl sollte bei Sonnenuntergängen bei 100 eingestellt sein. Bei Sonnenaufgängen und Zeitraffersequenzen gerne bei 800 starten, dann hat man während des Sonnenaufgangs einen Startspielraum bis ISO 100 beim Nachjustieren.
Anpassungen während des Sonnenuntergangs: Mit zunehmend untergehender Sonne werden die Lichtverhältnisse dunkler werden, dann muss die Kamera in ihren Einstellungen nachgeführt werden. Hier sollte zunächst die ISO-Zahl nachgeführt werden, bei meiner APS-C-Kamera gehe ich aufgrund des zunehmenden Rauschens selten über 800. Danach folgt die Blende, aufgrund der sich ändernden Tiefenschärfe gehe ich hier nur moderat vor. Danach folgt die Belichtungszeit, die ebenfalls Effekte im Bild nach sich zieht. Scharf abgebildete Objekte werden bei längerer Belichtungszeit irgendwann eine Bewegungsspur haben.
Vor Ort wird man gegebenenfalls feststellen, dass Blende, Belichtungszeit und niedrige IDO gar nicht zusammenpassen, dann setzt man so genannte ND-Filter ein, um den Lichteinfall zu reduzieren, doch dazu später.
Wichtiger Ratgeber ist das Histogramm, welches die Kamera hoffentlich anbietet. Hier insbesondere schauen, dass im linken (dunklen) Bereich nicht zu viel absäuft und rechts (im hellen Bereich) vor allem nicht zu viel überbelichtet wird.
Klang jetzt alles vielleicht ein wenig kompliziert, ist es aber nicht wirklich. Man sollte alles aber vorher an weniger spektakulären Sonnenuntergängen oder -aufgängen ausprobieren. Wenn der perfekte Sonnenuntergang vor der Linse liegt, geht die Sonne überraschend schnell unter, da bleibt nicht mehr viel Zeit zum Ausprobieren.
(04) Filter: ND-Filter und Reverse-Filter als echte Game-Changer
Wie schon erwähnt fotografiert man bei Sonnenuntergängen gerne direkt in die Sonne mit dadurch extrem hellen Bildteilen. Im Vordergrund können aber auch bereits abgedunkelte Elemente vorhanden sein, die bereits im Schatten liegen. Das Auge bekommt das bis auf den unbedingt zu vermeidenden direkten Blick in die Sonne ganz gut hin, da es circa 20 Blendenstufen abdeckt. Eine Kamera ist aber im Dynamikumfang deutlich beschränkter und deckt im RAW-Format circa 12 Blendenstufen ab.
Filter können hier Abhilfe schaffen. Für Himmel mit einer höher stehenden Sonne verwendet man Grau-Verlaufsfilter. Ein Teil des Filters ist quasi komplett durchlässig und fängt dann an, langsam mit einem Graufilter abzudunkeln. Legt man den letzteren Teil nun über den hellen Himmel, so erhält man die Zeichnungen in den Wolken, ohne dass die dunkleren Teile im Vordergrund absaufen: Rollei Rechteck-GND-Filter Ein Reverse-Filter macht dies ähnlich. Der Bereich der größten Abdunklung liegt aber in der Mitte und geht in die eine Richtung langsam ins helle über, zur anderen Richtung quasi sofort. Ideal, um den Horizont mit der Sonne im mittleren Bereich des Bildes abzudunkeln.
Normale ND-Filter helfen nicht bei der eben beschriebenen Lösung des Dynamikproblems des Kamerasensors. Aber sie verlängern die Belichtungszeit je nach eingesetzten Filtern und ermöglichen so Blendeneinstellungen, die ansonsten zu Überbelichtungen führen würden. Ich setze hierfür entweder runde ND-Filter ein Rollei- Magnetische Rundfilter oder rechteckige, die man im Set mit dem Filterhalter werben kann Rollei Rechteck-ND-Filter
Keine Hilfe sind hingegen Polfilter, sofern man direkt in die Sonne fotografiert, da die Filter bekanntlich ihre größte Wirkung im 90 Grad-Winkel zur Sonne entfalten. Hier also nicht hilfreich.
(05) Equipment reinigen
Nichts ist ärgerlicher, als den perfekten Sonnenuntergang zu fotografieren und hinterher festzustellen, dass man auf dem Foto Sensorflecken hat. Was ist das? Grob gesagt sind das Verschmutzungen auf den Kamerasensor, der im Bild leider deutlich zu erkennen ist. Maximal ärgerlich bei Serienaufnahmen für Zeitraffersequenzen, viel Spaß bei der Einzelkorrektur von 400 Aufnahmen. Durch den gegebenenfalls satt blauen oder farblich einheitlichen Himmel sind die Flecken auch besonders schnell zu erkennen.
Einen detaillierten Bericht zur Reinigung von Kamerasensoren habe ich in dem Artikel „Reinigung des Kamera-Sensors“ hinterlegt. Sensorflecken kann man vermeiden, in dem man den Objektivwechsel nur in sauberer Umgebung bei vorher gereinigten Objektiven und Bodys durchführt. Hierzu hilft ein Reinigungskit, zum Beispiel von Rollei: Reinigungskit. Möchte man nur den Sensor reinigen, um die Flecken zu entfernen, hier ein Link zur Sensorreinigung
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(06) Vögel: Freund und Feind zugleich
Fliegende Vögel im Sonnenuntergangs machen die Einzelbilder eines Sonnenuntergangs durchaus interessanter, da sie den Gesamteindruck des Bildes emotional aufladen. Bei Zeitrafferaufnahmen sind sie hingegen sehr störend, da man ja nicht den Flug des Vogels abbildet, sondern je nach Intervalllänge nur eine Einzelaufnahme hat und bei der Aufnahme davor und danach der Vogel längst woanders ist. Dies führt zu ungewollten Aufblitzen von dunklen Flecken, die man im späteren Zeitrafferfilm nicht richtig zuordnen kann und daher unschön aussehen. Abhilfe schafft hier eine längere Belichtungszeit, die man durch ND-Filter bei gleicher Blende erzwingen kann.
(07) Foto-Apps nutzen
Hier die wichtigsten Apps, die ihr auf dem Handy haben solltet. Zum Teil erleichtern sie das Fotografieren, zum Teil ermöglichen Sie aber auch Aufnahmen (gerade im Zeitrafferbereich), die ohne diese App nur schwerlich möglich sind
- Sonnenstand: Wo geht die Sonne wann unter, wann beginnt die goldene Stunde, wann ist es quasi dunkel? Ich nutze hierfür die App „Sonnen-Info“. Komischer Name, aber diese App kommt wirklich bei jedem Sonnenuntergangsshooting in der Planung und vor Ort zum Einsatz und ist zudem in der Basisversion kostenlos. Alle Details im Artikel „Sonnenauf-/untergang„
- Wer seine Kamera über eine App in einer Zeitraffersequenz automatisiert hinsichtlich Blende, Belichtungszeit und Blende nachsteuern lassen möchte, sollte sich unbedingt die App „qDSLRdashboard“ anschauen, Details siehe Artikel „Anleitung qDSLRdashboard„. Setze ich ebenfalls in jedem Shooting ein, kostet aber um die 10 €.
- Graufilter-Rechner: Für den Einsatz von Graufiltern lohnt es sich, eine Graufilter-App dabei zu haben. Diese rechnet einem die Auswirkung von ND-Filtern auf die Parameter Blende, Belichtungszeit und ISO-Zahl aus. Hilfreich, aber nicht zwingend notwendig, da man sich dies über die Angaben auf den Filtern selbst herleiten kann. Details hierzu findest Du in dem Artikel zum Graufilter-Rechner.
(08) Tele oder Weitwinkel?
Beides. Das Weitwinkelobjektiv sollte eher zum Einsatz kommen, wenn man den fantastisch bunten Himmel großflächig abbilden möchte. Das Tele-Objektiv kann aber von der Sonne beleuchtete Gebäude, Landschaftsformationen oder ähnliches einfangen, die im Weitwinkel eher untergehen würden. Im Zweifel beides mitnehmen und bei den Aufnahmen wechseln.
(09) Rechtzeitig vor Ort sein, länger da bleiben
Über die Sonnen-Info-App kennen wir den genauen Zeitpunkt des Untergangs der Sonne am Horizont. Man sollte mindestens eine Stunde vorher vor Ort sein, um genügend Zeit für den Aufbau des Equipments und die Motivwahl zu haben. Sofern der eigentliche Horizont verdeckt ist (Bäume, Häuser, Berge, …), muss man diese Zeitspanne noch vergrößern, da die Sonne dann ja noch eher verschwindet. Die Kamera sollte mindestens zum Beginn der Goldenen Stunde bereits sein (siehe App), da hier die schönsten Farben erstrahlen. Während der „heißen Phase“ der schönsten Farben geht wie gesagt alles relativ schnell und die Szenerie ändert sich im Minutentakt, da sollte jeder Handgriff sitzen. Ist die Sonne am Horizont verschwunden, nicht gleich einpacken. Die Sonne strahlt gerade bei Wolken wunderschön auch nach dem Untergang von unten gegen die Wolken, sieht dann herrlich aus.
(10) Kleidung und Taschenlampe
Zu Beginn der Session ist es noch herrlich warm, die Sonnenstrahlen scheinen einem wohltuend ins Gesicht. Mit zunehmend untergehender Sonne ändert sich dies aber schnell und es wird zunehmend kälter. Klingt banal, aber es sei hier trotzdem erwähnt: die warme Jacke nicht vergessen. Für den Weg zurück (beispielsweise zum Auto) hilft auch eine Taschenlampe (notfalls die im Handy), um nicht mit seiner ganzen Ausrüstung auf der Zielgeraden zu stolpern.
In den Tipps blitzte immer wieder das Thema Sonnenuntergangs-Zeitraffer auf. Hierfür habe ich einen eigenen, ausführlichen Workflow geschrieben, den Du im Artikel „Workflow für Zeitraffer-Videos“ findest.