Ausführlicher Workflow zur Erstellung eines Zeitraffer-Videos
Zur Erstellung von Zeitraffer-Videos hat dieser Blog schon zahlreiche einzelne Tipps veröffentlicht. Ziel dieses Beitrags ist es, einmal den gesamten Ablauf der Erstellung von der Planung bis zur Veröffentlichung eines Zeitraffervideos mit der Fokussierung auf Sonnenauf- und Untergänge darzustellen und alle Hinweise zusammenzuführen. Wundere Dich also nicht über die vielen Verweise auf andere Artikel. Das jeweilige Thema wird so weit erklärt wie notwendig, für einzelne Details zur Vertiefung wird auf einen Spezialartikel verwiesen.
- Ausführlicher Workflow zur Erstellung eines Zeitraffer-Videos
- Die gewünschte Qualität des Zeitraffervideos bestimmt den Aufwand
- Recherche nach geeigneten Fotospots
- Wahl des Zeitpunkts für die Aufnahme
- Das Wetter, der größte Unsicherheitsfaktor
- Das notwendige Equipment für eine Zeitrafferaufnahme
- Der Aufbau für die Aufnahme
- Die Aufnahme startet
- Aufbereitung der RAW-Bilder bis zum fertigen Film
- Veröffentlichung
- Unterstützende Tools
Die gewünschte Qualität des Zeitraffervideos bestimmt den Aufwand
Ein Zeitraffer-Video ist bei geringen Ansprüchen schnell erstellt. Viele Kameras oder Smartphones bieten hierfür interne Lösungen, die erzielten Ergebnisse sehen bei guten und konstanten Lichtbedingungen toll aus. Anders ist die Lage, wenn man mit wechselnden Lichtbedingungen zu kämpfen hat, insbesondere mit der zunehmenden Dunkelheit bei Sonnenuntergängen und dem immer heller werdenden Tageslicht bei Sonnenaufgängen. Hier durchläuft man ein Lichtbereich über mehrere Blendenstufen, was ohne Nachregulierung zwangsläufig entweder zu Über- oder Unterbelichtungen führen würde.
Zeitraffer-Videos vor allem von Sonnenauf- und untergängen können sehr spektakulär werden, sind aber – wenn sie wirklich gut aussehen sollen – in der Erstellung aufwendiger als normale Zeitraffer bei halbwegs konstantem Tageslicht. Für einen professionellem Look reicht es für qualitativ hochwertige Videos daher leider nicht, einfach das Stativ mit Smartphone oder Videokamera aufzustellen (oder gar kein Stativ zu verwenden) und loszufilmen. Sofern einem das qualitativ reicht, braucht man eigentlich nicht mehr weiterlesen. Mit diesen sehr einfach produzierten Videos fängt man (wie ich) irgendwann an, mit zunehmendem Qualitätsanspruch wird man aber einen anderen, aufwendigeren Weg gehen müssen. Trotzdem muss man dieses Feld nicht den Profis überlassen, sondern kann auch als Nicht-Profi erstaunlich gute Videos produzieren. Nachfolgend ein Workflow, wie dies gelingen kann, aus dem man auch einzelne Komponenten für den eigenen Workflow adaptieren kann. An vielen Stellen gibt es andere Lösungswege, hier fokussiere ich also ausdrücklich auf meinen Workflow ohne Wertung, dass andere Lösungen schlechter sind.
Recherche nach geeigneten Fotospots
Neben euch gibt es unzählige weitere Fotografen, die bereits interessante Fotospots ausfindig gemacht haben. Warum also nicht diese Schwarmintelligenz nutzen, sofern man nicht selbst schon eine konkrete Idee hat? Hierzu ruft man bekannte Stockportale wie Shutterstock, Adobe Stock etc. auf und gibt in das Suchfeld die Stadt und in der Regel mit Komma getrennt je nach Spracherfordernis beispielsweise „Hamburg, Sonnenuntergang“ oder „Hamburg, sunset“ ein. Der Standort der in Frage kommenden Bilder lässt sich meist über den Begleittext ermitteln, in den Heimatstädten erkennt man die Location in der Regel sofort.
Das Ziel ist ja, einen wunderschönen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang als Video festzuhalten. Die Position der Sonne, wie ihr sie auf den Bildern der Fotostock-Fotografen seht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine andere sein. Man kann die genaue Position aber über eine App ermitteln oder gar planen. Einen ausführlichen Artikel für eine Sonnenstands-App findet ihr hier.

Sonnenstands-App: Über diese Apps kann man minutengenau die aktuellen Parameter wie beispielsweise den genauen Sonnenuntergang bestimmen und damit auch die Vorlaufzeit, die man für den Aufbau und die ersten Fotos der Sequenz benötigt.
Wahl des Zeitpunkts für die Aufnahme
Für die Auswahl des Fotospots kann man mit dieser App auch für in der Zukunft geplante Aufnahmen die Position des Sonnenuntergangs oder gar das Datum bestimmen, wann die Sonne an einer bestimmten Position am Horizont untergeht, wenn dies für den Look wichtig ist. Bis auf Sommer- und Winterwende hat man hierfür für jede Position am Horizont zweimal im Jahr die Chance.

Viel klarer wird dies an einem Beispiel:
Idee war es, in Hamburg von der Oberhafenbrücke die Sonne beim Untergang zwischen den beiden Bürogebäuden zu filmen, einen ausführlichen Artikel zu diesem Spot findest Du hier.
Hierzu wechselt man in der Sonnenstands-App in das Kartenmodul und sucht dort die Oberhafenbrücke in Hamburg. Der eigentliche Sonnenuntergang muss rechts von der Lücke zwischen den Bürogebäuden liegen (der Sonnenaufgang dementsprechend links). Zu beachten ist, dass die ganze Bebauung den eigentlichen Horizont verdeckt und man also auch in der Lücke einen gewissen Sonnenstand benötigt. Mit ein bisschen Herumprobieren in der App wird man feststellen, dass ein geeigneter Zeitpunkt in diesem Fall Ende April/Anfang Mai sowie der August ist. Viel früher als Ende April/Anfang Mai oder viel später als August sollte es nicht sein, da man die Sonne dann gar nicht mehr sehen wird. Wandert man andersherum im Kalender, steht die Sonne zu hoch über den Gebäuden und nicht mehr dazwischen.
Sofern also die Sonne momentan jahreszeitenbedingt ganz woanders untergeht, kann man sich den Aufwand für genau dieses Foto / dieses Video sparen und sich diesen Spot lieber für spätere Videodrehs in den Kalender schreiben. Wenn die Termine allerdings passen, bestens – weiter geht’s.
Das Wetter, der größte Unsicherheitsfaktor
Die Sonne geht jeden Tag auf- und unter, es sieht halt nur nicht immer spektakulär aus. Hat man sich auf einen Termin und Spot versteift, so gilt es, am Tag den Himmel im Blick zu behalten. Bei komplett blauem Himmel kann man immerhin den Sonnenuntergang sehen, er hat aber im späteren Video eher durch den fehlenden Wolkenzug den Hang zur Langweiligkeit oder ist sehr gelbstichig. Für einen ausgeprägt farbenfrohen Sonnenuntergangs bedarf es für meinen Geschmack ein paar Wolken, die durch die unter- oder aufgehende Sonne angeleuchtet werden. Zu viele Wolken sind naturgemäß auch nicht gut, insbesondere wenn der Horizont dadurch in ein tristes Grau eintaucht und der Himmel komplett wolkenverhangen ist. Im Zweifel sollte man aber „auf Verdacht“ zum Spot fahren, da ich immer wieder überrascht war, welches Farbspektakel sich trotz vieler Wolken sich noch ergeben hat. Flexibilität wird belohnt, der vorgesehene Sonnenuntergang wird vielleicht zu einem „Unwetter-zieht-auf“-Video, welches ebenso spektakulär sein kann.
Das notwendige Equipment für eine Zeitrafferaufnahme
Die Fototasche sollte folgendes beinhalten. Einiges erklärt sich von selbst, dass andere wird erläutert:
- Fotokamera inklusive Objektiv: banal, ohne sie läuft nichts. Aber „Foto“kamera, nicht „Video“kamera. Mit der Fotografie von Sonnenuntergangs- und aufgangszeitraffern bewegen wir uns im Grenzbereich der Fotografie. Was früher technisch nicht möglich war, ist heute machbar trotz der sehr schwierigen und sich verändernden Lichtbedingungen. Was man beim Kauf einer Kamera für Zeitraffer-Aufnahmen beachten sollte, findet ihr in diesem Artikel. Für die Objektivauswahl habe ich in diesem Artikel Auswahlkriterien zusammengestellt. Nettobotschaft für Objektive: In der Regel Weitwinkel mit scharfer Abbildung.
- Stativ inklusive Wechselplatte: ebenso essentiell, die Kamera muss fixiert bleiben, selbst kleinere Bewegungen der Kamera wirken im späteren Zeitraffer absolut unschön. (Ausgenommen natürlich definierte Bewegungen beispielsweise durch motorisierte Gleitschienen, dieses Thema klammere ich hier aber aus). Stative gibt es in unzähligen Varianten, in diesem Artikel habe ich die Auswahlkriterien aus der Sicht von Zeitrafferaufnahmen zusammengestellt. Mein vielfach bewährtes Stativ von Rollei wird in diesem Artikel beschrieben und halte ich für sehr empfehlenswert, der Stativmarkt ist aber unüberschaubar und es gibt bestimmt noch viele andere Stative, die mindestens genauso gut sind..
- Intervallauslöser mit Kabel: Die Kameras haben in der Regel einen integrierten Intervallauslöser. Warum es sich trotzdem unbedingt lohnt, sich den separaten und speziell für Zeitrafferaufnahmen konzipierten Intervallauslöser LRTimelapse PRO 3 zuzulegen, wird in diesem Artikel begründet. Für den Anfang könnte aber mit Abstrichen der integrierte Intervallauslöser reichen oder auf ein preiswertes Modell zurückgefriffen werden.
- Filter: Mit „Filter“, die es ja in den unterschiedlichsten Ausprägungen gibt, sind hier speziell ND-Filter und Verlaufsfilter gemeint. Dieser Artikel zeigt auf, warum es vorteilhaft sein kann, den Himmel mit einem Reverse- oder Verlaufsfilter zu belegen. Normale ND-Filter dienen dazu, die Belichtungszeit zu verlängern. Polfilter spielen bei der direkten Fotografie in die Sonne gar keine Rolle. Warum siehe diesen Artikel.
- Smartphone mit OTG-fähigem Verbindungskabel.: Die Kamera muss aufgrund der sich stark verändernden Lichtverhältnisse über mehrere Lichtstufen nachgeregelt werden. Dies kann man theoretisch per Hand machen, könnte aber durch leichte Wackler später in der Aufnahme zu sehen sein. Hierfür gibt es eine Software, die das über beeinflussbare Parameter übernimmt, ohne das man die Kamera anfassen muss. Einen ausführlicher Artikel zur App qDSLRdashboard findest Du hier.
- Halterung für das Smartphone: Nicht wichtig, aber praktisch. Ein Smartphone-Halter für das Fahrrad lässt sich auch wunderbar am Stativ befestigen, so dass das Smartphone nicht am Kabel baumelt. Eine nähere Erläuterung findest Du hier.
- Ersatzakkus für die Kamera: Ein Akkuwechsel während der Aufnahme entfällt naturgemäß, weil die Intervallaufnahmen unterbrochen werden würden. Ich habe sie aber trotzdem immer dabei, falls ich vorher vergessen habe, die Kamera aufzuladen.
Kosten hierfür: sehr unterschiedlich je nach Modell und Anspruch. Für Sparfüchse sei hier abgeschätzt: Kamera und Objektiv 500 €, Stativ 50 €, Intervallauslöser 200 €, Filterhalter und Filter ca. 400 €, beim Smartphone reicht ein altes Android-Handy 0 €, Halterung für das Smartphone 15 €, Ersatzakkus 30 €, diverse Kabel 50 €. In Summe mit rund 1.000 € erschreckend viel, zum Start reicht aber Kamera/Objektiv + Stativ. Dann musss man aber logischerweise Abstriche machen.
Der Aufbau für die Aufnahme
Vor Ort angekommen, wird noch einmal über die Sonnenstands-App gecheckt, wo genau die Sonne unter- oder aufgeht, um die Kamera ausrichten zu können. Die Kamera wird auf das Stativ montiert, ausgerichtet und bei Zoom-Objektiven der Ausschnitt gewählt. Je nach später gewähltem Videoformat werden gegebenenfalls Teile des Bildes oben und/oder unten abgeschnitten. Dies sollte man bei der Ausschnittswahl berücksichtigen und daher eher aufzoomen. Auch beachten: hier lieber ein paar Minuten mehr Zeit nehmen, der Ausschnitt ist später ohne Unterbrechung der Aufnahme nicht mehr zu korrigieren, dann gilt „Augen zu und durch“. Erste Probeaufnahmen über die Kamera-Programmautomatik geben einem ein Gefühl für die aktuellen Lichtverhältnisse hinsichtlich Blende und Belichtungszeit bei gewählter ISO-Zahl. Die Kamera wird nun in den manuellen M-Modus überführt, der Fokuspunkt gesetzt und dann der Autofokus abgestellt. Dies ist deswegen wichtig, weil ansonsten die Kamera bei jeder Aufnahme den Autofokus auslöst und es zu sehr unschönen Pump-Effekten kommen kann. Ebenso den eventuell vorhandenen Bildstabilisator abschalten. Fotografiert wird im RAW-Modus und zusätzlich die kleinste JPG-Variante eingestellt. Wozu dies? Die RAW-Bilder werden später im Zeitraffer verwendet und bieten die höchste Flexibilität in der Nachbearbeitung. Die kleinen JPG-Bilder benötigt die Software qDSLR-Dashboard, um die Belichtung zu kontrollieren und die Kamera gegebenenfalls nachzuführen. Gleichzeitig produziert man mit dem kleinen JPG-Format den geringsten Datenmüll, denn diese Fotos werden später wieder gelöscht. Sofern man qDSLR-Dashboard nicht verwendet, reicht der RAW-Modus.
Bei der Verwendung von Filtern werden diese nun montiert. In der Regel verwende ich einen Reverse-Filter, um den Bereich direkt über dem Horizont abzudunkeln, sowie einen oder mehrere ND-Filter, um die Belichtungszeit deutlich zu verlängern. Längere Belichtungszeiten sehen im Zeitraffer einfach smarter aus, bei zu großen Abständen von einer zur nächsten Aufnahme würde dies ruckeliger aussehen. Dies hat wiederum einen Einfluss auf die Blende und Belichtungszeit. Bei der Verwendung von stark abdunkelnden Filtern kann es sein, dass die Kamera nicht mehr korrekt messen kann. Die notwendige Nachjustierung von Blende/Belichtungszeit kann man aber über Filterrechner errechnen, siehe hierzu diesen ausführlichen Artikel.
Ein zusätzlicher Hinweis für Sonnenaufgänge: Hier sollte man die ISO-Zahl nicht bei 100, sondern ca. bei 800 starten lassen. Wenn die Sonne dann aufgeht und der zunehmende Lichteinfall reduziert werden muss, kann sich die Nachjustierung erst einmal an der ISO-Zahl abarbeiten. Blenden- und Belichtungszeitveränderungen bergen immer die Gefahr, dass man die Veränderung später im Video sieht, insbesondere Tiefenschärfeveränderungen.
Die Kamera ist nun eingestellt, das Smartphone an die Kamera angeschlossen, die App qDSLRdashboard fährt automatisch hoch. In der App in den Timelapse-Modus wechseln (ausführliche Anleitung siehe hier) und erste Probeaufnahme machen, damit die App die Start-Lichtverhältnisse bestimmen kann. Zugleich wählen wir in der App zwischen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, weil dies einen Einfluss auf die Reihenfolge der späteren Nachjustierung hat. Jetzt werden in der App die Grenzwerte für Belichtungszeit, Blende und ISO-Zahl eingestellt, die später dann in dieser Reihenfolge bei einem Sonnenuntergang verändert werden (beim Sonnenaufgang umgekehrt). Achtung: Beim Sonnenuntergang wird zunächst die Belichtungszeit verlängert. Heißt: die Länge der Belichtungszeit reicht immer weiter an die Intervalllänge ran. Dies birgt die Gefahr, dass die Kamera irgendwann lahm gelegt wird und wird hier ausführlicher beschrieben. Der Abstand sollte also immer ausreichend sein.
Die App wird nun in den Modus „Holy Grail“ versetzt und ist startbereit. Fehlt noch der Intervallauslöser, der nun mit der Kamera verbunden wird. Der empfohlene LRTimelapse Pro 3 wird also per Kabel mit der Kamera verbunden und bietet die Möglichkeit, dass er auf dem Blitzschuh befestigt wird. Dies vermeide ich in der Regel, weil ich die Intervallzeit während der Aufnahme verändern möchte. Sitzt der Intervallauslöser auf der Kamera, könnten wieder leichte Wackler in der Aufnahme zu sehen sein.
Abschließend sollte die Okular-Abdeckung aufgesetzt werden, um störendes Streulicht zu vermeiden, welches die Belichtung verfälschen könnte. Bei Wind sollte man den Trageriemen mit Klettbändern oder ähnlichem befestigen, nervt sonst oder stört im schlimmsten Fall die Aufnahme.
Der gesamte Aufbau bei vollem Equipment sowie Einstellen von Kamera/App/Timer dauert ca. 20 Minuten. Dies muss man bei der Anreise mit einplanen.
Die Aufnahme startet
Die Kamera wird in diesem Workflow nicht über den integrierten Intervallauslöser gestartet, sondern über den separaten Timer LRTimelapse Pro 3. Man aktiviert dort also den Timelapse-Modus, bestimmt die Intervalllänge, die Anzahl der Aufnahmen und startet die Aufnahme. Ab jetzt kann man sich entspannen und den wunderschönen Sonnenauf- oder untergang bewundern, die Technik arbeitet von ganz alleine.
Zeit und Platz also, ein paar brauchbare Tipps zu platzieren:

Ein spektakuläres Einzelfoto erhält man bekanntlich, wenn die Sonne gerade noch mit einem letzten Zipfel zu sehen ist. Im Zeitrafferfilm passiert aber farbseitig davor und danach eine Menge aufregender Veränderungen. Die schon erwähnte Sonnenstands-App liefert hierzu Beginn der Goldenen und der Blauen Stunde als attraktives Zeitfenster. Dies ist der Zeitraum, in der sich der Zeitrafferfilm hinsichtlich Farbspektakel am meisten lohnt.

Der von mir verwendete Timer LRTimelapse Pro 3 hat gegenüber anderen Intervallauslösern noch weitere Vorteile, die einem während der Aufnahme helfen. Abhängig von der später im Film verwendeten Framerate wird die Restzeit der laufenden Aufnahme berechnet sowie die bereits durch die getätigten Aufnahmen erreichte Filmlänge. Außerdem, und das ist der eigentliche Knüller, kann die Intervalllänge über ein Ramping verändert werden, ohne dass man das im späteren Zeitraffer sieht.
Beispiel: Während des Sonnenuntergangs wird es naturgemäß immer dunkler. Über die App qDSLRdashboard wird hierzu wie schon erwähnt unter anderen die Belichtungszeit nachgeführt. Wählt man beispielsweise ein Intervall von 6 Sekunden, kann man in Abhängigkeit von der Kamera eine maximale Belichtungszeit einstellen, ohne dass die Kamera blockiert wird. Bei meiner Nikon D7500 sind dass 6 Sekunden minus 1,4 Sekunden Mindestabstand 4,6 Sekunden. Beim Start der Aufnahme setzt man aber je nach Gestaltungswunsch ND-Filter zur Verlängerung der Belichtungszeit ein, heißt man startet eh schon bei beispielsweise 2 Sekunden. Dadurch müssten also sehr schnell andere Parameter wie Blende und ISO-Zahl nachgeführt werden. Die Blende hat einen Einfluss auf die Tiefenschärfe, die ISO-Zahl erzeugt irgendwann ein Rauschen in den Bildern. Lösung: Während der Aufnahme löst man im Timer ein moderates Ramping aus und lässt die Intervallzeit langsam verlängern. Diesen gewonnenen Spielraum kann man in der App qDSLRdashboard als höhere Maximalgrenze für die Belichtungszeit hinterlegen. Genial.
Die Aufnahme endet mit dem Erreichen der im Timer gesetzten Marke oder wird händisch abgebrochen, wenn die Intervallanzahl auf unendlich eingestellt wurde (oder wenn die Szenerie zu unspannend wird). Der Abbau erfordert ebenfalls ein paar Minuten, ist aber nicht so aufwendig wir der Aufbau. Ab nach Hause und zur Aufbereitung der Fotos.
Aufbereitung der RAW-Bilder bis zum fertigen Film
Die vielzähligen Fotos müssen zunächst von der Kamera auf den Datenträger übertragen werden. Je nach Kamera und Bildgröße kommen hier einige Datenmengen gern im Gigabyte-Bereich zusammen. Zu den RAW-Fotos gesellen sich später noch die aufbereiteten JPG-Fotos sowie der fertige Film.
Für die Aufbereitung verwende ich die Software LRTimelapse in Verbindung mit Adobe Lightroom. LRTimelapse bietet eine Testversion mit am Anfang vertretbaren Einschränkungen. Sofern man die produzierten Videos veröffentlichen oder verkaufen möchte, benötigt man eine lizenzierte Version. Lightroom gibt es nur noch im Abo-Modell, ist aber bezüglich der Funktionalität aus meiner Sicht unschlagbar.
Alle Möglichkeiten in LRTimelapse und Lightroom aufzuzeigen, würde diesen Artikel sprengen. Hierzu gibt es zu LRTimelapse auf lrtimelapse.com diverse Tutorials, für Lightroom empfehle ich Youtube mit zahlreichen Erklärvideos.
Daher die einzelnen Schritte nur grob angerissen:
- In LRTimelapse auf den Ordner mit den RAW-Dateien gehen, sofort führt LRTimelapse erste Berechnungen aus und schlägt die Anzahl der Keyframes vor, also die Bilder, die später in Lightroom bearbeitet werden müssen. Je komplizierter die Lichtveränderungen waren, umso mehr Keyframes sind notwendig. Bei konstanten Lichtverhältnissen benötigt man nur einen Keyframe
- Sofern während des Aufnahmevorgangs die Kamera hinsichtlich Blende/Belichtungszeit/ISO-Zahl nachgeführt wurde, kann man bei Bedarf den Helligkeitsverlauf anpassen
- Die Bilder werden nun nach Lightroom übergeben und dort die einzelnen Keyframes abgearbeitet. Der Hauptaufwand entsteht bei der optimalen Einstellung des ersten Bildes, die weiteren werden nachjustiert, vor allem die Farbbalance durch die sich während des Übergangs von der Goldenen zur Blauen Stunde ändernde Farbtemperatur
- Die Bildinformationen werden nun abgespeichert und damit zurück zu LRTimelapse übergeben. Dort werden die verschiedenen Bildparameter über ein Ramping von Bild zu Bild überführt und über ein Deflicker die Helligkeiten angeglichen.
- Die finale Bildausgabe als JPG erfolgt wieder über Lightroom, das finale Video erzeuge ich mit LRTimelapse im professionellen ProRes-Format. Zusätzlich speichere ich ein in der Qualität deutlich abgespecktes Format für die Verwendung in Youtube, Instagram und Twitter (=“X“).
- Sofern im Video Wackler zu sehen sind, die trotz aller Vorsicht beispielsweise durch Windstöße verursacht werden können, lasse ich das Video in Premiere rendern und jage vorher eine Verkrümmungsstabilisierung zur Bildstabilisierung drüber.
Klingt wahnsinnig aufwendig, ist aber vergleichsweise schnell gemacht
Veröffentlichung
Das fertige Video liegt nun vor und kann bestaunt werden. Für die Monetarisierung nutze ich in aller Regel Pond5, zur Promotion Youtube, Twitter und Instagram. Spoiler: Reich wird man dadurch nicht.
Unterstützende Tools
Es gibt neben den bereits erwähnten Apps qDSLRdashboard und Sonnen-Info noch weitere Apps, die zwar nicht direkt mit dem Aufnahme- oder Bearbeitungsprozess in Verbindung stehen, aber trotzdem hilfreich sein können.
- Schiffe sind ein willkommenes Zeitraffermotiv: Wo und wann welches Schiff vor die Linse schippert, verrät die App MyShipTracking (iOS)
- Wetter-Apps verstehen sich von selbst und gibt es zur Genüge
- Speziell für Freunde des Hamburger Hafens empfehle ich die Seite Hafen-Hamburg.de, auf der erwartete Schiffe der nächsten 2 Tage ermittelt werden können
- App „Sterne 3D+“, sofern man sich in die Nachtfotografie wagt
- App „Mondphasen und Mondkalender“ für die Mondfotografie
- App für die Graufilter-Berechnung
- Nutze ich selber noch nicht, aber Flugzeugradare können einem Hinweise auf interessante Flugbewegungen geben (zum Beispiel Landung oder Start einer A380), beispielsweise Flightradar24
- Video-Stock-Portale: Pond5, Shutterstock, Adobe und diverse andere
- Youtube, Twitter, Instagram, WordPress zwecks Bewerbung der Stock-Videos