Lohnen Polfilter in der digitalen Fotografie?

Ein Polfilter sorgt dafür, dass das Licht, welches durch den Filter geführt wird, nicht mehr dreidimensional schwingt, sondern nur noch in einer Ebene. Dabei muss der Filter über den Filterring so eingestellt werden, dass er je nach spezifischer Lichtsituation eben nur noch das polarisierte Licht durchlässt. Ein Polfilter ist daher auch kein Filter, der einmal draufgeschraubt sofort einsatzbereit ist, sondern muss vielmehr individuell eingestellt werden.

Einsatzgebiete eines Polfilters

Für einen Polfilter gibt es in der Fotografie verschiedene Einsatzgebiete, so zum Beispiel:

  • Spiegelungen auf nicht metallischen Oberflächen zu unterdrücken oder hervorzuheben, beispielsweise auch Spiegelungen auf einer Brille einer fotografierten Person. In der Nachbearbeitung nur sehr aufwendig zu simulieren
  • Nochmal Spiegelungen: Mit einem Polfilter ist man in der Lage, durch eine ansonsten spiegelnde Wasseroberfläche hindurch zu fotografieren, um dort Steine, Tiere oder Pflanzen mit aufs Bild zu bekommen. Dies lässt sich mit Lightroom und Co im Nachhinein schwerlich korrigieren
  • Bei Blättern und Gräsern ein satteres Grün hervorzuzaubern, dieser Effekt lässt sich allerdings auch in der Nachbearbeitung simulieren
  • Sattere blaue Farben am Himmel, auch diesen Effekt kann man durch Bildbearbeitungsprogramme simulieren
  • Regenbogen unterdrücken oder verstärken, vor allem ein nachträgliches Unterdrücken des Regenbogens dürfte in der Bildbearbeitung sehr aufwendig sein
  • Sofern kein ND-Filter vorhanden ist kann man diesen Filter auch schlicht dafür verwenden, die Belichtungszeit zu verlängern, bekommt dabei allerdings die bereits genannten Effekte mitgeliefert, ob gewollt oder nicht

Einige dieser Effekte kann man sicherlich in der späteren Bildbearbeitung nachholen. Vor allem beim Entfernen von Spiegelungen von Wasseroberflächen ist dies aber nicht möglich. Informationen, die gar nicht da sind, kann Lightroom später nur schwerlich hervorzaubern.

In der Negativfotografie waren meine damaligen Erfahrungen mit Polfiltern eher ernüchternd. Entweder taugte der Polfilter damals nichts oder ich habe ihn falsch angewendet. Einen Effekt konnte ich damals jedenfalls auf den Bildern nicht erkennen, weshalb ich ihn sehr schnell wieder aus den Augen verloren habe.

Rollei

Polfilter in der Fotopraxis: MANFROTTO Zirkular-Polfilter

Hier nun ein neuer Versuch in der Digitalfotografie, trotz Lightroom und Co. Die Wahl fiel auf den Manfrotto Advanced Zirkularpolfilter 72 mm, der einerseits preislich in einem bezahlbaren Bereich liegt, anderseits die Rezensionen für das Produkt positiv auffielen und sich die Rezensenten eher an der Verpackung gestört haben. Den Filter gibt es natürlich auch in anderen Größen, dieser sollte aber speziell für mein Objektiv Sigma 18-35 mm f/1.8 sein. Um nicht für jedes Objektiv einen eigenen Polfilter kaufen zu müssen bietet es sich an, einen für den größten Linsendurchmesser zu kaufen und bei den kleineren Objekte mit Reduzierringen zu arbeiten.

Warum Zirkular? Da ich den Polfilter in der digitalen Fotografie einsetzen will, ist ein zirkularer Polfilter Pflicht, da ansonsten der Autofokus und die Belichtungsmessung auf Probleme stößt.

Der Filter hat im Gegensatz zu meinem alten Modell keinen hervorstehenden Pin, mit dem man den Filter dreht. Für mich eher positiv, weil er sich so nicht mit der Sonnenblende des Objektivs ins Gehege kommt. Der Filter ist relativ leicht zu drehen. Da er für jedes Motiv eh neu eingestellt werden muss sehe ich dadurch aber nicht die Gefahr eines ungewollten Verstellen.

Erste Tests mit dem Polfilter ergaben sofort ein Erfolgserlebnis: Durch Drehen des Filterringes konnte ich sofort eine Veränderung im Sucher erkennen, auch das Maximum und Minimum waren hinreichend genau bestimmbar. Fraglich war nun noch, ob der Filter bei den heutigen Nachbearbeitungsmöglichkeiten eine wirkliche Verbesserung darstellt.

Hier noch Testbilder:

  1. Anwendungsfall Himmelsblau und Wolken: Der Unterschied ist klar zu erkennen (beide Bilder direkt aus dem RAW-Format mit geringen Schärfungen). Der Turm wirkt satter, der Himmel blauer, die Wolken strukturierter. Die Sonne stand sehr hoch am Himmel, so dass der für den Polarisationseffekt notwendige Winkel fast automatisch gegeben war. Die Brennweite betrug 31 mm, so dass ein möglicher Nachteil eines Polarisationsfilters in dieser Aufnahme nicht zum Tragen kommt: Fotografiert man mit einem sehr weitwinligen Objektiv, kann die Intensität des Polarisationseffektes im Bild unterschiedlich sein, was zu fleckenartigen Verdunklungen führt. Dort, wo der Effekt stärker zum Tragen kommt, ist es dunkler als an den schwächeren Stellen. Bei dieser Brennweite scheint dies nicht der Fall zu sein, trotzdem hat man das Gefühl, dass man den Effekt auch mit den Software-Experten wie Photoshop, Lightroom und Co. ohne größere Aufwände hinbekommt.
Leuchtturm von Warnemünde, links ohne, rechts mit Polfilter

2. Anwendungsfall: Spiegelungen und nochmal Wolken: Auch hier sind die Wolken prägnanter ausgebildet, auch der Seetang wirkt strukturierter. Am deutlichsten sieht man die Veränderung auf der Meeresoberfläche, die Spiegelungen werden entfernt und die darunter liegenden Wasserpflanzen werden erkennbar. Sofern man das gestalterisch will, wird man genau diesen Effekt nicht über eine Software simulieren können.

Seebrücke von Kühlungsborn, links ohne, rechts mit Polfilter

3. Anwendungsfall: nochmal Spiegelungen: Hier sieht man klar die entspiegelte Wasseroberfläche und die darunter liegenden Pflanzen bei der Verwendung eines Polfiters.

Meeresbrandung, links ohne, rechts mit Polfilter

Zeit für ein Fazit: Ein Polfilter ist für mich nicht die Offenbarung, hatte ich so auch gar nicht erwartet. Aber sofern man ihn parat hat und den Aufwand nicht scheut, ihn vor das Objektiv zu schauben und danach wieder zu entfernen, ist es für mich ein nettes Zubehör, um bei der späteren Bildbearbeitung mehr Auswahl zu haben. Denn: ein Foto ohne Polfilter würde ich als „Backup“ immer zusätzlich schießen. Den oben genannten Polfilter von MANFROTTO will ich nicht bewerten und schon gar nicht im Vergleich zu anderen, hier fehlen mir schlicht die Vergleichsmöglichkeiten. Er hält aber das, was der Hersteller versprochen hat, was für mich reicht, um ihn dauerhaft in meine Fototasche zu packen.