Welche Unwägbarkeiten die Zeitrafferfotografie auf einem Schiff mit sich bringt

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Sofern man nicht als Seemann auf einem Containerschiff über die Weltmeere schippert, bietet sich einem die Gelegenheit für eine Fotografie von einem Schiff aus vor allem über private Segeltouren, Fährfahrten oder Urlauben auf Kreuzfahrtschiffen. Das Fotografieren gerade von Sonnenauf- oder untergängen von Schiffen hat den klaren Vorteil, dass die „Anfahrt“ vom Fotospot mehr oder weniger entfällt und die warme Verpflegung insbesondere mit heißem Kaffee in kalten Morgenstunden nicht weit weg ist. Raus aus der Kabine, hoch aufs Deck und schon kann der Aufbau des Equipments beginnen, herrlich unkompliziert.

Am folgenden Videobeispiel wird aber beschrieben, welche Problemstellung es zu bewältigen gilt. Wenn möglich werden auch Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Standort meistens vorgegeben und wenig beeinflussbar

Der Sonnenaufgang-Zeitraffer mit einem herrlichen Farbspektakel wurde im Herbst auf einer Kreuzfahrt auf der Ostsee aufgenommen, auf dem Weg von Dänemark nach Schweden. Der Experte für Sonnenaufgänge wird sofort einwenden, dass dies ja nicht sein kann: Fahrtrichtung von West nach Ost, Sonnenaufgang im Heck („Im Osten geht die Sonne auf, …“). Kann aber doch sein: Das Schiff nähert sich mit einem westlichen Kurs den Scheren vor Stockholm von Osten aus und wechselt dann später über in einen südwestlichen Kurs durch die Scheren. Hier bereits das erste Problem: Welchen Kurs das Schiff einnimmt, kann man in der Regel nicht beeinflussen (die privaten Boote einmal ausgenommen, die fallen aber aus noch zu nennenden Gründen weg). Ob die Sonne von Backbord, Steuerbord, vom Bug oder Heck aus zu sehen ist, entscheidet alleine der Kapitän des Schiffes, und dies ausnahmslos ohne Berücksichtigung der fotografisch vorteilhaften Position des Sonnenstandes. In diesem Video ein nicht geplanter absoluter Glücksfall: Die Sonne geht quasi im Fahrwasser auf, das Schiff hält über längere Zeit den gleichen Kurs. Den nicht zu sehenden Kurswechsel im Anschluss an diese Fotosequenz habe ich weggeschnitten, da es zu viel Unruhe in die Szenerie brachte. Die Aufnahme selbst war also noch ein paar Sekunden länger.

Foto Koester

Wasser, der Feind aller Zeitrafferaufnahmen

Wasseraufnahmen beinhalten immer ein Risiko, dass die spätere Zeitraffersequenz abgehakt oder zu sehr geglättet aussieht. Beeinflusst wird dies durch die Intervalllänge beziehungsweise viel mehr durch die Schwarzzeit, also die Zeit zwischen zwei Aufnahmen, in der nicht gefilmt wird. Diese Zeit ist technisch bedingt und hängt in der Länge von verschiedenen Faktoren ab, siehe hierzu diesen Artikel. Mit dem in diesem Artikel beschriebenen Intervallauslöser LRTimelapse Pro Timer 3 (Affiliate-Amazon-Link) komme ich bei meiner Nikon D7500 auf eine Mindestzeit von 1,4 Sekunden, was für Intervallauslöser vergleichsweise kurz ist, wenn man die Kamera noch hinsichtlich Blende, ISO-Zahl und Belichtungszeit nachsteuern möchte, beispielsweise über die Software qDSLRdashboard, siehe diesen Artikel. Einfachere Intervallauslöser erfordern hier deutlich höhere Intervallzeiten.

Die Intervallzeit hatte ich mit 2 Sekunden relativ kurz festgelegt, da die Sonne bei Sequenzstart schon kurz vor dem Aufgehen war. Verbleibt eine Start-Belichtungszeit von ca. einer halben Sekunde, dies mit einer Lichtreduzierung über ND-Filter und Reverse-Filter insbesondere für den Himmel. Wenn man zusätzlich als Startwert für die ISO-Zahl hinsichtlich Bildrauschen vertretbare 800 festlegt, hat man bereits 3 Blendenstufen, an denen sich qDSLRdashboard zur Nachregelung der Parameter bei steigender Helligkeit abarbeiten kann, ohne das Blende oder Belichtungszeit verändert werden müssen.

Schiffsbewegungen als größtes Manko für Zeitrafferaufnahmen

Die wesentliche Schwierigkeit auf einem Schiff ist ein halbwegs stabiles Bild im finalen Video. Das unbearbeitete Originalvideo wies trotz der sehr ruhigen See und während der Aufnahme nicht wahrnehmbaren Schiffsbewegungen dann doch vielzählige Kippbewegungen auf. Hier reichte aber in Adobe Premiere die recht einfach zu bedienende „Verkrümmungsstabilisierung“, um die Aufnahme zu glätten. Große Kreuzfahrtschiffe und Fähren können das Schiff über ihre Stabilisatoren erstaunlich ruhig halten. Bei kleinen Segelbooten entfällt diese technische Raffinesse, so dass diese Schiffskategorie wie oben schon angedroht für stabile Filmaufnahmen entfällt.

Mit zunehmenden Wellenbewegungen werden diese Korrekturen dann irgendwann so heftig, dass zuerst die „Verkrümmungsstabilisierung“ nicht mehr ausreicht und irgendwann auch der Tracker in Adobe After Effects aussteigt. Worst Case sind dann Schiffsvibrationen im Heck, vor allem wenn das Schiff größere Manöver durchführt, bevorzugt beim An- und Ablegen. Die entsprechenden Einzelbilder verwackeln dann zunehmend, was im Ergebnis irgendwann nicht mehr zu korrigieren ist (sprich: wenn zu viele Einzelbilder der Sequenz händisch gelöscht werden müssen).

Fazit: Ungewöhnliche Standorte, schwierige Bedingungen

Zeitrafferaufnahmen von einem Schiff aus gefilmt ermöglichen Standorte, an die man ansonsten nur schwerlich hinkommt. Man hat – wenn im Urlaub befindlich – die Zeit und Muße und kann sich nach frühem Aufstehen noch für den Restschlaf wieder ins Bett legen. Gelungene Endergebnisse sind aber mit sehr viel Glück verbunden und bedürfen meistens noch korrigierende Nacharbeiten. Da man aber auf den Schiffen als normaler Passagier eh nicht viel anderes zu tun hat, wäre mein Motto: „Draufhalten und hinterher schauen, was rauskommt“. Wenn schon nicht der Zeitrafferfilm gelingt, so ist doch bestimmt die eine oder andere spektakuläre Einzelaufnahme als Urlaubserinnerung dabei.

Wie kann man professionell aussehende Zeitraffervideos selber erstellen?

Wenn Du wissen willst, wie man Zeitraffervideos bei sich stark verändernden Lichtverhältnissen wie beispielsweise Sonnenaufgang und -untergang erstellt, lese diesen Blogartikel zum Zeitraffer-Workflow. In diesem Artikel wird erläutert, wie man geeignete Locations auswählt, welches Equipment die Aufnahme unterstützen, wie der Aufnahmeprozess abläuft und welche Software die Aufbereitung für den Verkauf und Promotion der fertigen Videos unterstützt.