Grundlagen zur Belichtungszeit bei Zeitraffer-Aufnahmen

Panorama-Blick auf den Hamburger Hafen
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Für einen harmonischen Gesamteindruck von einem Zeitraffer-Video ist es wichtig, ein gutes Verhältnis zwischen Belichtungsdauer und Intervalllänge zu haben. Professionelle Filmer versuchen in der Regel, ungefähr die halbe maximal mögliche Belichtungszeit zu verwenden, man spricht hier auch von der „180 Grad-Verschlusszeit“. Bei in Kinofilmen üblichen 24 Bilder pro Sekunde wäre die maximale Belichtungszeit also 1/24, die halbe demnach ca. bei einer 1/50tel Sekunde.

Bei einem Zeitraffer steuert man über die Intervalllänge die Beschleunigung gegenüber der Realität. Je länger das Intervall, umso schneller gegenüber der realen Geschwindigkeit läuft später das Video ab. Je größer die Intervalllänge, umso größer ist aber bei gleichbleibender Belichtungszeit – beispielsweise der oben genannten 1/50 – die Zeit, wo das Geschehen gar nicht gefilmt wird. Das dies insbesondere bei sich schneller bewegenden Objekten dann mehr und mehr ruckelig aussieht, leuchtet ein.

Was macht man aber, wenn die Sonne prall am Himmel steht und die Kamera eher eine Belichtungszeit von 1/500 als wie gewünscht und benötigt 1/50 oder länger vorschlägt? Mit der Blende kann man hier sehr beschränkt dagegen arbeiten, man bekommt naturgemäß auch ungewollte Effekte in der Tiefenschärfe des Bildes hinzu.

Hier kommen die Graufilter zum Einsatz, welche die Belichtungszeit je nach Dichte des Filters verlängern können.

Mit Graufiltern längere Belichtungszeiten erzielen

Längere Belichtungszeiten erreicht man mit Graufiltern (auch Neutraldichtefilter oder ND-Filter genannt), deren Aufgabe es ist, die Lichtmenge, welche auf den Kamerasensor trifft, zu reduzieren. Im Idealfall so, dass es zu keinen ungewünschten Farbveränderungen der Aufnahme kommt, Farbneutralität ist hier das Stichwort. Graufilter erreichen diese Farbneutralität, indem sie das Licht gleichmäßig über das gesamte Lichtspektrum sperren, ohne Farben oder den Kontrast zu beeinflussen. Experten sprechen hier von einer „waagerechten Transmissionskurve“. Ein typisches und leicht nachvollziehbares Einsatzgebiet eines Graufilters ist beispielsweise die Fotografie von fließendem Wasser beziehungsweise auch Wasseroberflächen. Bei fließendem Wasser wird dadurch mehr die Bewegung des Wassers verdeutlicht, bei Wasseroberflächen die Oberfläche glattgezogen.

Beim Panoramabild des Hamburger Hafens war nicht die Glättung der Wasseroberfläche das vordergründige Ziel, dafür befindet sich die Elbe eigentlich genügend im Hintergrund. Ziel war es vielmehr, bei den bewegten Objekten, insbesondere der Hamburger U-Bahn, ein Wischeffekt zu erzielen. Angenehmer Nebeneffekt: Gerade in Hafengebieten oder am Meer neigen Vögel dazu, gerade dann am Himmel ihre Bahnen zu ziehen, wenn man die Aufnahme gestartet hat. Bei kurzen Belichtungszeiten sind dies dann kurz aufblitzende schwarze Punkte, die der Video-Betrachter nicht zuordnen kann und damit unschön aussehen. Ergo muss man die einzeln in den Bildern wegstempeln. Bei längeren Belichtungszeiten verwischen diese Objekte und müssen nicht mehr wegretouchiert werden.

Aussichtspunkt Stintfang bei der Jugendherberge mit Ausblick aus den Hafen

Bei den vorhandenen herrlichen Wetterbedingungen mit strahlendem Sonnenschein kamen gleich drei Filter zum Einsatz:

  • Polfilter für sattere blaue Farben am Himmel (Rollei CPL Filter)
  • Reverse-Filter zur Abdunklung des Himmels, um die dunkleren Bereiche im Vordergrund besser darstellen zu können: F:X Pro-Serie von Rollei mit GND8 (3 Stopps)
  • Graufilter zur Verlängerung der Belichtungszeit: F:X Pro ND32 Rechteckfilter
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Zum Einsatz von Polfiltern und Reverse-Filtern hatte ich bereits Beiträge geschrieben, der hier detaillierter dargestellte Graufilter war eine aktuelle Neuerwerbung von mir speziell für diese Einsatzzwecke und erzielt beim Vorbeifahren der U-Bahn genau den gewünschten Effekt, siehe Ausschnitt.

Bereits noch im Anfahrmodus der U-Bahn verschwimmen die Konturen und sehen im Video viel ästhetischer aus als bei sehr kurzen Belichtungszeiten.

Berechnung der Belichtungszeit für eine Zeitrafferaufnahme

Je nach Durchlässigkeit der Graufilter lassen diese unterschiedliche Mengen an Licht durch und wirken sich damit natürlich auch unterschiedlich auf die Belichtungszeit aus. Der verwendete Graufilter mit der Bezeichnung ND32 hat eine 32-fache Verlängerung der Verschlusszeit und lässt ca. 3,1% der ursprünglichen Lichtmenge durch, eben nur 1/32 des Lichtes. Die Neutraldichte dieses Filters beträgt 1,5, 10 hoch 1,5 ergibt gerundet 32. Die Produkt-Bezeichnungen sind somit sehr verwirrend, wenn man hier puristisch herangeht. Hilfreicher und deswegen wohl auch so angegeben sind die 32.

Die 32 ist ein Vielfaches von 2, nämlich 2 hoch 5. Der Filter verlängert die Belichtungszeit also um 5 Stopps. Normalerweise sind die Kameras so eingestellt, dass die Blenden und Verschlusszeiten um 1/3 pro Rädchenklick verändert werden. 1 Stopp gleich 3 Klicks. 5 Stopps gleich 15 Klicks.

Bezogen auf das noch folgende Video bedeutet dies, dass bei den eingesetzten Filtern über den Graufilter 5 Stopps und dem Reversefilter 3 Stopps insgesamt 8 Stopps beziehungsweise 24 Klicks zustande kommen. Den Polfilter vernachlässige ich mal. Die EXIF-Daten verraten mir eine Belichtungszeit von einer 1/3 Sekunde. Rückgerechnet wäre dies eine originale Belichtungszeit bei gleicher Blende von 1/800 Sekunde. Dürfte bei dem sonnigen Tag etwa passen.

Das Hin- und Her-Rechnen muss man nicht im Kopf machen, hierfür gibt es Apps wie zum Beispiel den Long Exposure Calculator. Hierfür benötigt man nur die Stoppanzahl der Filter oder die ND-Angabe, der Rest wird durch die App berechnet.

Die verwendete Belichtungszeit von einer 1/3-Sekunde reichte für die U-Bahn aus. Für die Glättung von Wasseroberflächen müsste man Graufilter mit einer höheren Dichte verwenden oder einen zusätzlichen Filter verwenden, da sie kombinierbar sind.

Panorama-Blick auf den Hamburger Hafen vom Stintfang aus gesehen

Jetzt endlich das Video von einer Anhöhe über der U-Bahn Landungsbrücken aus gesehen. Der Name Stintfang leitet sich ganz hanseatisch vom Fisch Stint ab und bezieht sich auf einen ehemaligen und in der Nähe befindlichen Wallgraben, wo früher große Mengen Stint gefangen worden sein soll. Rechts der Dreimaster und Museumsschiff Rickmer Rickmers, in der Mitte die Cap San Diego, das größte betriebsfähige Museumsfrachtschiff der Welt. Rechts im Hintergrund die Elbphilharmonie.

Standort Stintfang

Oberhalb der U-Bahn-Station Landungsbrücken gibt es mehrere Plattformen, von denen aus man jeweils einen herrlichen Blick über den Hamburger Hafen hatte. Die Bauarbeiten an der U-Bahn-Station sind glücklicherweise abgeschlossen, so dass man wieder einen freien Zutritt zu diesem beeindruckenden Aussichtspunkt hat.

Von der unteren Plattform hat man einen Blickpunkt direkt oberhalb der einfahrenden U-Bahnen, siehe auch dieses Video.

Die obere Plattform direkt an der Jugendherberge ist frei erreichbar, unter anderem von hinten vom Alfred-Wegener-Weg kommend rechts an der Jugendherberge vorbeigehend.

Wortbedeutung „Stintfang“

Der Ausdruck „Stintfang“ ist ein Begriff aus dem Hamburger Hafenjargon und bezieht sich auf einen Bereich im Hafen von Hamburg, der früher als Anlegeplatz für Fischerboote diente, die auf der Elbe nach Stinten (kleine Heringe) fischten.

Heutzutage wird der Begriff „Stintfang“ oft auch allgemein für das Gebiet am Hafen verwendet, das sich zwischen den Landungsbrücken und dem Fischmarkt erstreckt. Es ist ein beliebtes Touristenziel mit zahlreichen Restaurants, Bars und Cafés, die auf Fischgerichte spezialisiert sind und einen schönen Blick auf den Hafen bieten.

Der Name „Stintfang“ hat also seine Wurzeln in der Geschichte des Hamburger Fischhandels und der Fischerei auf der Elbe, ist aber heute eher ein Synonym für einen belebten und malerischen Teil des Hafens von Hamburg, der für seine kulinarischen Angebote und seine maritime Atmosphäre bekannt ist.

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Der Turm vom Michel von der Nordseite aus gesehen