Mit einem Reversefilter ausgeprägte Sonnenuntergänge fotografieren, Beispiel der Pier von Kühlungsborn
Der Strand von Kühlungsborn gab mir die Gelegenheit, meine neuen Filter von Rollei auszuprobieren. Hier speziell der Reverse-Filter.
Zunächst zum Standort: Der Strand von Kühlungsborn liegt im Ostteil so, dass die Sonne nur in den Sommermonaten über dem Wasser untergeht. Zwischen Kühlungsborn-West und Ost macht die Küste einen Knick, so dass im Westen der Stadt die Sonne zwischen ca. April und September über dem Wasser untergeht. Da ich den Pier und den Strand im Vordergrund haben wollte, war der 1. Juli also optimal gewählt.


Kurz vor dem Yachthafen geht ein befestigter Weg im Zick-Zack zum Strand runter. in der ersten Biegung hat man eine leicht erhöhte Position und kann dort vor allem völlig ungestört sein Equipment aufstellen, ohne dass jemand direkt vor die Linse laufen kann. Anfang Juli geht die Sonne dann in voller Pracht direkt über dem Pier unter, im Zeitraffer wuseln die letzten Strandgänger am Strand herum und genießen die letzten Sonnenstrahlen.
Wie bei jedem Sonnenuntergang sorgt die Sonne für eine extreme Helligkeit am Himmel, während der Vordergrund durch die Schattenbildung schon relativ dunkel wird. Entweder brennen die Lichter am Himmel aus, womit man beispielsweise die Strukturen der Wolken verliert. Oder die dunkleren Teile des Vordergrundes saufen ab, ein späteres Aufhellen in der Nachbearbeitung gelingt nicht immer zufriedenstellend. Dadurch, dass die Sonne ja zum Horizont wandert, bietet sich im gewählten Motiv ein Reverse-Filter ab. Die maximale Abdunklung beginnt in der Mitte des Filters schlagartig und hellt sich zum oberen Rand auf. Die Kante der Abdunklung legt man bei der Aufnahme genau auf den Horizont.
Zusätzlich hat man die Wahl zwischen Rundfiltern wie bei diesem Polfilter bereits vorgestellt oder einem Rechteckfilter. Ein Rundfilter hätte bei einem Reversefilter wie auch bei allen anderen Grauverlaufsfiltern den Nachteil, dass der Verlauf der Abdunklung nicht frei gewählt werden kann, da der Filter ja fest eingeschraubt wird. Einen Rechteckfilter kann man in der Filterhalterung verschieben, so dass der Übergang dorthin gesetzt werden kann, wo man ihn haben möchte.

Neben den genannten Vorteilen gibt es natürlich auch Nachteile bei Rechteckfilter. Zum einen sind sie in der Regel teuer als Rundfilter. Vor allem aber hat man ja einen relativ wuchtigen Aufsatz vorne auf dem Objektiv, der eher Schnappschuss-ungeeignet ist.
Vor der eigentlichen Auswahl des Systems sollte man sich unbedingt noch über die Farbneutralität der Filter schlau machen. Gute Filter verfälschen die Bilder nicht (sind also farbneutral), andere geben den Bildern einen Farbstich, der in der Nachbearbeitung wieder korrigiert werden muss. Auch die Kratzfestigkeit sollte bedacht werden, Glasfilter sind da sicherlich robuster als Kunststofffilter, brechen allerdings (da Glas) auch leichter.
Meine persönliche Wahl fiel auf die F:X Pro-Serie von Rollei, da sie meines Erachtens Qualität mit einem bezahlbaren Preis verbindet. Der Reversefilter mit GND8 verdunkelt also um 3 Stopps, als Größe war für meine Objektive 100×150 mm ausreichend.
Der Halter wird mit einer kleinen Tasche mitgeliefert. Praktisch dabei die Kletthalterung, mit der man diese Extratasche bei einer vollen Fototasche auch dort außen ankletten kann. Mitgeliefert werden diverse Zwischenringe, so dass man den Halter an alle gängigen Objektivgrößen anschrauben kann. In meinem Kit dabei war auch ein Polfilter, der als Rundfilter zwischen das Objektiv und dem eigentlichen Rechteckfilter gesetzt wird. Rechteckfilter kann man bis zu 3 Stück einschieben. Dies erfolgt mit einigem Widerstand, das muss man erst lernen. Erwähnt sei noch, dass die Filter aus Gorilla-Glas bestehen und damit sehr kratzfest sein sollten.
Der Halter selbst wird aus das Objektiv raufgeklickt. Im gewähltem Motiv mit dem klar erkennbaren Übergang zwischen Hell und Dunkel hatte ich zunächst trotzdem Probleme, die richtige Position des Filters zu finden. Die noch vorhandene Tageshelligkeit half dabei, keine Ahnung wie das gehen soll, wenn man bei Dunkelheit einen Sonnenaufgang vorbereiten möchte.
Bei der Aufnahme selbst war ich sehr erstaunt, wie hell doch der Vordergrund (Strand und Strandkörbe) im Vergleich zu der direkt in die Kamera strahlenden Sonne war. Ohne Filter sähe dies definitiv anders aus. Hier hat sich der Kauf und Einsatz also voll bezahlt gemacht. Auch in der Nachbearbeitung konnte ich wie vom Hersteller versprochen keinen Farbstich feststellen. Vor dem Einsatz dachte ich, dass man irgendwo den harten Reverse-Übergang im Bild sehen würde, war aber nicht so. Entweder habe ich den Horizont exakt getroffen (eher nicht, siehe oben), oder der Übergang ist dann doch nicht so hart wie man denkt.
Wie kann man professionell aussehende Zeitraffervideos selber erstellen?
Wenn Du wissen willst, wie man Zeitraffervideos bei sich stark verändernden Lichtverhältnissen wie beispielsweise Sonnenaufgang und -untergang erstellt, lese diesen Blogartikel zum Zeitraffer-Workflow. In diesem Artikel wird erläutert, wie man geeignete Locations auswählt, welches Equipment die Aufnahme unterstützen, wie der Aufnahmeprozess abläuft und welche Software die Aufbereitung für den Verkauf und Promotion der fertigen Videos unterstützt.
