Wunschszenario: Eine Ratrig-Gleitschiene, die sich nicht mehr durchbiegt
Wie schon in Teil 1 dieses Projektes, in dem es darum ging, die Steuerung der Kamera über eine App durchzuführen, damit man die Kamera während der Serienbildaufnahme nicht mehr anfassen muss, soll auch hier beschrieben werden, wie man stabilere Aufnahmen hinbekommt, ohne dass man sichtbare Stöße oder Zittern der Bilder im späteren Clip hat.
Die von mir verwendete Gleitschiene kommt von einem portugiesischen Hersteller namens Ratrig (https://www.ratrig.com/, deutscher Vertrieb über https://www.enjoyyourcamera.com/ und zumindest in Teilen auch über Amazon) und war das Ergebnis einer längeren Recherche, wie man an bezahlbare motorisierte Gleitschienen oder Slider kommt. Neben dem im Vergleich zu anderen Herstellern niedrigen Einstiegspreis fand ich überzeugend, dass man ein modulares System hat, siehe Ziffern (1)-(4): Basis ist die Steuerungseinheit (1), die man ergänzt durch eine in verschiedenen Längen erhältliche Gleitschiene (2) und einem Motor (3), der auch wiederum in verschiedenen Geschwindigkeiten erhältlich ist. (4) kommt gleich…
Klare Nachteile dieses Systems sind a) dass die Bewegung nicht mit der Auslösung der Kamera gekoppelt ist und b) dass zumindest meine 60 cm-Schiene nur eine mittige Stativaufnahme besitzt. a) lässt sich über dieses System nicht lösen, echte Motion Control-Systeme rufen aber immer gleich um die 1.000 € aufwärts auf. Man muss also damit leben können, das sich die Kamera im Grunde während der Aufnahme bewegt. Dies sollte aber nur bei sehr langen Belichtungszeiten eine Rolle spielen, also beispielsweise Nachtaufnahmen. b) lässt sich lösen, dies wird im Folgenden dargestellt.

Die Gleitschiene kann durch separat zu erwerbende Füße (4) aufgestellt werden. Bei einer manuellen Gleitschiene hatte ich allerdings schon die Erfahrung gemacht, dass eine Aufstellung auf Füßen immer auch eine massive Einschränkung des Betrachtungswinkels bedeutet. In der Regel würde dies ja immer eine Aufnahme vom Boden bedeutet, im besten Fall eine Positionierung auf einer Mauer o.ä., hat man in der Regel aber nicht. So hatte ich mir die Füße gespart und auf die Montage auf einem Stativ vertraut. Die dafür vorgesehene Verbindung befindet sich logischerweise in der Mitte und wirkt auch relativ stabil. Je nach Größe der Schiene führt dies aber unweigerlich zu Durchbiegungen an den Enden der Schiene, wenn die Kamera mit ihrem Gewicht von der einen zur anderen Seite wandert. Kann man größtenteils in der Schnittsoftware korrigieren, ist aber immer mit Aufwand verbunden.
Stabilisierung der Ratrig-Gleitschiene über zwei Stative
Die Lösung war verblüffend einfach: Der Zahnriemen des Antriebes wird in der Schiene über eine Nut geführt und an der Seite über zwei farbige, grüne Platten abgedeckt, wohl eher aus optischen Gründen und dafür, dass man sich an den eventuell vorhandenen schärferen Metallkanten nicht schneidet. Die Platten wiederum sind über zwei Schrauben am Metall befestigt. Hier können auch die optional zu erwerbenden Füße montiert werden. Und genau hier setzen wir an und nutzen die vorhandenen Gewindebohrungen für unsere Stabilisierung.
Dafür benötigt man 2 Winkelverbindungen. Vorrätig hatte ich 2 60×60 mit 40mm Breite. Und noch entscheidender: die im Winkel vorhandenen Löcher hatten mit 20mm genau den richtigen Abstand. Im Handel müssten diese Winkel von Hornbach die richtigen sein, die Löcher am besten vor dem Kauf noch einmal nachmessen: https://www.hornbach.de/shop/Lochplattenwinkel-60-x-60-x-40-mm-sendzimirverzinkt-15-Stueck/794332/artikel.html

Anpassen der Winkelverbindungen
Die eine Seite (die am Stativ befestigt wird) sollte so gekürzt werden, dass sie nicht viel über die Gleitschiene übersteht. Bei der längeren Seite benötigt man noch ein Gewindeloch für die Stativplatte. Das Loch wird so platziert, dass die Verbindungsplatte zum Stativ eine möglichst große Auflagefläche hat und später im Aufbau am Stativ nichts stört. Einfach vorab ausprobieren und anhalten. Das Loch mit einem 5mm-Bohrer vorbohren und das Gewinde mit einem Gewindebohrer in das Loch schneiden. Zum Drehen des Gewindebohrers braucht man auch noch ein geeignetes Windeisen.

Sind die Platten gekürzt und das Gewindeloch gebohrt, einfach nur noch die grünen Platten abschrauben, die Winkelverbindung gemäß dem obigen Bild dazwischen montieren und wieder anschrauben. Die Schrauben der Platten habe ich durch etwas längere ersetzt, weil die vorhandenen ansonsten etwas zu kurz fassen würden.
Der umgebaute Slider hat sich bereits im Einsatz bewährt und liefert komplett stabile Aufnahmen ohne Durchbiegen. Das zweite mitzuschleppende Stativ ist aus meiner Sicht mittlerweile auch egal, bei dem Zeug, welches man für Zeitrafferaufnahmen alles mitschleppen muss oder kann.
