Auswahlkriterien für den Kauf einer Zeitraffer-geeigneten Kamera am Beispiel einer Nikon D7500

Lange Zeit habe ich meine Zeitrafferaufnahmen ausschließlich mit einer HD-Video-Kamera umgesetzt, indem ich anschließend die Filmaufnahmen im Videoschnittprogramm beschleunigt habe. So fängt wohl jeder an…

Um in den nächsten Level aufsteigen zu können, brauchte ich eine Kamera, die mir 4K-Aufnahmen ermöglichte, entweder direkt als Film und/oder über Einzelbilder. Die Auswahlkriterien für die Kamera lagen also speziell bei Zeitrafferaufnahmen. Bei den im Folgenden dargestellten Punkten geht es also gar nicht speziell um den Kauf genau dieser Kamera, sondern vielmehr, worauf man achten sollte, wenn man plant, damit auch Zeitrafferaufnahmen zu machen.

Auswahl der Marke

Die „Auswahl“ der Marke ging relativ schnell: Nikon war die letzten 25 Jahre mein Favorit, sollte es auch die nächsten Jahre sein. Fertig.

Dies kann und soll jeder für sich anders beurteilen. Mit einer Markentreue hat man in der Regel den großen Vorteil, dass man sich nicht an eine neue Menüführung und Positionen der Bedienelemente gewöhnen muss. Andererseits verschließt man sich Entwicklungen auf dem Kameramarkt, die führenden Positionen von Canon und Nikon sind durch die neuen Prozessoren und vor allem die Spiegelthematik heftig ins Trudeln gekommen wenn nicht gar schon futsch.

Auswahl des Systems und des Modells

Schon sind wir mitten im Thema: Mit Spiegel oder spiegellos? APS-C oder Vollformat? Zur Zeit meines Kamerakaufs hatte Nikon nur die Z6- und Z7-Vollformat-Kameras im Programm, die sich leider deutlich außerhalb des veranschlagten Budgets befanden. Der Gewichtsvorteil des Bodys wird meines Erachtens auch durch die schweren und voluminösen Vollformat-Objektive wieder aufgefressen.

Derzeit entscheidend ist für mich aber, dass die technisch zwangsläufigen Digitalsucher für meinen ganz persönlichen Geschmack sehr gewöhnungsbedürftig sind, daher mit Spiegel, aus Budgetgründen APS-C.

Eine passende Kickback-Aktion von Nikon machte die D7500 so extrem attraktiv, dass ich mich letztendlich für diese entschied. Zugegebenermaßen Old-School, aber ein Ergebnis aller bisher geschilderten Faktoren. Die D7500 kaufte ich im Kit mit einem Reiseobjektiv von Nikon mit einem Brennweitenbereich von 18-300 mm.

Damit hatte ich eine für Zeitrafferaufnahmen schlagkräftige Kombination: Eine semiprofessionelle Kamera mit allen notwendigen Einstellungsmöglichkeiten, dazu ein Objektiv mit einem sehr flexiblen Brennweitenbereich, die einzugehenden Kompromisse dieses Reiseobjektivs bezüglich der Abbildungsqualität sind für mich bei Filmaufnahmen für Zeitraffersequenzen hinnehmbar. Für Einzelaufnahmen sehe ich das anders, aber hierzu später.

Gewicht und Größe

Für einen Brennweitenbereich von 18-300 mm halte ich die Body/Objektiv-Kombination vom Gewicht her vertretbar. Da man für Zeitrafferaufnahmen zusätzlich in der Regel noch ein Stativ, eine Gleitschiene usw. benötigt, ist das Gewicht der Kamera nicht das entscheidende Kriterium. Schleppen muss man eh.

Zur Entlastung des Nackens und der Schulter gerade bei Städtetouren kann ich nur einen Tragegurt empfehlen. Er entlasten diesen empfindlichen Bereich spürbar und liefert je nach Ausführung des Gurtes auch gleich einen Diebstahlschutz mit.

Weitere Auswahlkriterien

  • Ein Bildstabilisator ist bei normalen Zeitrafferaufnahmen unbedeutend. Da im Normalfall von Stativ aus fotografiert wird, schaltet man diesen bei der Aufnahme ab. Das sieht dann aus, wenn man sich auf Hyperlapse-Aufnahmen spezialisieren möchte und dafür „durch die Gegend läuft“. Gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen bietet der Bildstabilisator mehr Spielraum bei den Belichtungseinstellungen.
  • Das Display sollte auf jeden Fall klappbar sein. Für spannende Perspektiven wird sich die Kamera bei der Aufnahme nicht immer auf Augenhöhe befinden. Bei Aufnahmeserien wird man immer wieder das Histogramm kontrollieren müssen, so dass ein klappbarer Bildschirm nach oben und unten ein wichtiges Kriterium darstellt.
  • Die GPS-Ortung halte ich für Zeitraffer-Aufnahmen zweitrangig, da man hier wenige Aufnahme-Standorte haben wird, die man sich noch merken können wird. Bei der D7500 funktioniert sie aber tadellos und hilft eher bei der nachträglichen Einordnung der Einzelaufnahmen bei Städtereisen mit vielen Einzelstandorten und Bildern.
  • Der Ladekapazität des Akkus ist bei Zeitrafferaufnahmen entscheidend. Sehr übel, wenn einem mitten in der Aufnahme der Saft ausgeht und der Sonnenuntergang nicht wartet, bis der Akku ausgetauscht ist. Dies wäre dann auch schon der zugehörige Tipp: 1-2 Ersatzakkus besorgen und rechtzeitig wechseln. Zu beachten ist, dass die neuen Kameras, insbesondere die spiegellosen durch das Digitaldisplay, deutlich mehr den Akku beanspruchen als die aälteren Kameras. Konnte man früher locker einen Urlaub durchfotografieren, sollte man jetzt nach intensiven Fototagen immer abends nachladen.
  • Einige Kameras besitzen mehrere Speicherslots, so dass man neben dem größeren Speicherplatz auch eine gute Trennung zwischen Videoaufnahmen und Fotos hat. Die D7500 hat dies nicht mehr (das Vorgängermodell D7200 erstaunlicherweise schon). Finde ich schade, halte ich aber nicht für kaufentscheidend. Der Speicherbedarf ist durch die bessere Auflösung wie erwartet deutlich höher als bei älteren Modellen. Konnte man bei einer D80 mit einer 16 GB-Karte noch locker einen Urlaub durchfotografieren, so zeigte mir die Kamera bei bester Auflösung und RAW/JPEG-Format eine mögliche Bildanzahl von ca. 250 Bildern an. Für Timelapse-Aufnahmen natürlich völlig unzureichend. Dies wurde sofort mit einer 128 GB-Karte gekontert, was bei gleicher Einstellung zu einer Bildanzahl von 1.800 Bildern führte. Reicht erst einmal. In der Regel reicht ja auch ein Fotografieren ausschließlich im RAW-Format, da sind es noch mehr…

Fazit

Derzeit wichtigstes Auswahlkriterium ist mit oder ohne Spiegel. Dies kann man für mich noch weiter reduzieren auf die Entscheidung Digitalsucher ja/nein. Danach ist es vor allem eine Budgetfrage, wie viel Geld man für seine neue Kamera ausgeben möchte. Für die Beurteilung, ob die Kamera gut in der Hand liegt, sollte man das regionale Fachgeschäft aufsuchen und nach Möglichkeit dort auch kaufen. Das spätere Gewicht der Kamera wird nicht nur durch den Body bestimmt, sondern auch durch die Objektive. Also hier am besten beides testen. Obacht bei größeren Zooms: Megazooms stellen immer einen Kompromiss hinsichtlich Abbildungsqualität dar, hier lieber nach einem kleineren Brennweitenbereich, aber dafür einem Objektiv mit guten Abbildungseigenschaften Ausschau halten.