In der Regel freut man sich über jeden Sonnenstrahl, der die Belichtungszeit verkürzt und damit die Verwacklungsgefahr reduziert. So beispielsweise in der Sportfotografie, wo schnelle Objekte scharf eingefangen werden wollen und kurze Belichtungszeiten dies unterstützen.

In einigen Situationen sind kurze Belichtungszeiten aber unerwünscht. Klassisches Beispiel hierfür ist ein Wasserfall, dessen fließendes Wasser viel besser über längere Belichtungszeiten dargestellt werden kann. Ebenso einleuchtend sind im wahrsten Sinne Leuchtspuren, die über Langzeitbelichtungen eingefangen werden können. Etwas tieferes Verständnis bedarf es schon bei der Tiefenschärfe: Wird hier zum Beispiel bei Personenaufnahmen eine sehr offene Blende gewählt, um den Hintergrund unscharf zu halten, könnte die entstehende Belichtungszeit zu kurz werden.

Hat man für sein Motiv also zu helle Lichtbedingungen, um die gewählte Kombination von Blende und Belichtungszeit einzustellen, verwendet man Graufilter, auch ND-Filter genannt. ND heißt ausgeschrieben „Neutraldichtefilter“. Dieser Filter reduziert die Lichtmenge, ohne dabei sichtbaren Einfluss auf die Farben zu nehmen und verlängert damit die Belichtungszeit. Technisch gesehen reduzieren sie das einfallende Licht, indem die Filter einen bestimmten Teil davon absorbieren.

Graufilter gibt es in verschiedenen Ausführungen. Zum einen als Rundfilter, in diesem Artikel beschrieben, oder als Rechteckfilter, hier beschrieben. Die Vor- und Nachteile von Rechteck- und Rundfiltern sind in den genannten Artikeln ausführlich dargestellt. Die möglichen Effekte beim Einsatz von Graufiltern in der Zeitrafferfotografie hatte ich zudem in diesem Artikel vorgestellt.

Die Graufilter gibt es in verschiedenen Stärken, die in der Regel in „Blendenstufen“ oder „Stufen“ (englisch: „stops“) angegeben werden. Bei einem Filter mit 1 „Stop“ (ND2) muss man die Blende also um 1 Stop = 1 Blende öffnen, um ein gleichwertig belichtetes Bild im Vergleich zu einer Aufnahme ohne Filter zu bekommen. Bei mir ist die Kamera so eingestellt, dass die Drehräder für Belichtungszeit und Blende in 1/3-Stufen arbeiten. 1 Stop = 3 Klicks des Drehrades, meiner Kenntnis nach auch die Standardeinstellung für Kameras, siehe hierzu die Bedienungsanleitung der Kamera. Ein „Stopp“ entspricht einer Verdopplung oder Halbierung der Lichtmenge, je nachdem ob es um eine Erhöhung oder Verringerung geht.

Noch ein zweiter Hinweis, bevor wir zur App kommen: Die Kameras sind sehr gut in der Lage, bei nicht so starken Filtern eine Belichtungsmessung vorzunehmen. Das nimmt aber bei stärkeren Filtern ab, so dass man die originäre Belichtungszeit nach Aufsetzen des Filters von Hand korrigieren muss.

Sind auf den Filtern die Stops angegeben, so kann man beim Einsatz von mehreren Filtern die Stops addieren, (bei meiner Kamera) mit 3 multiplizieren und dann die Klicks am Drehrad zählen.

Dies geht einfacher, und zwar mit Tabellen (die ich meistens nicht dabei habe…) oder mit einer Filterrechner-App auf dem Handy. Ein Filterrechner ist eine Art Werkzeug, sei es eine App oder eine Online-Website, mit der Fotografen die korrekte Belichtungszeit berechnen können, wenn sie einen Graufilter verwenden.

Foto Koester

Der Filterrechner berücksichtigt den Grad des Graufilters (auch als „ND-Filter“ oder Neutraldichtefilter bezeichnet) und die Anfangsbelichtungszeit ohne Filter. Er ermittelt dann die korrekte Belichtungszeit unter Berücksichtigung des reduzierten Lichtdurchlasses durch den Filter. Dies hilft Fotografen, genaue Belichtungen zu erhalten und unerwünschte Effekte wie Überbelichtung zu vermeiden.

Auf der Suche nach einem Filterrechner sollte dieser die Möglichkeit bieten, mehrere Filter zu kombinieren. Dies bietet neben anderen – aber meist kostenpflichtigen – Apps „ND FilterPro“.

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Die Bedienung ist völlig unkompliziert. Rechts scrollt man solange, bis man die Startzeit gefunden hat und markiert diese.

Links sucht man die Filter, die man auf die Kamera schraubt und aktiviert die Schaltflächen auch hier. Mehrere Filter sind anwählbar.

Im oberen Feld wird die neue Belichtungszeit angezeigt, die man an der Kamera einstellen muss. Was nicht geht ist, zwei gleiche Filter (also 2 * ND 32) einzustellen, ist aber wie ich finde verschmerzbar. Mit Tricks kann der zusätzliche Filter auch simuliert werden (ND 32 = ND 16 + ND 1)

Wer Appetit auf Grau-Filtern bekommen hat, kann zum Beispiel bei Rollei, (Affiliate-Link https://t.adcell.com/click.php?bid=316087-110223) vorbei schauen. Hier gibt es rechteckige Filter, aber auch runde magnetische Filter. Du findest dort auch geeignete Stative und weiteres nützliches Equipment. Empfehlenswert auch Reverse-Filter, die helfen, den relativ dunklen Vordergrund zusammen mit dem durch die Sonne sehr hellen Himmel gut ausbalanciert zu bekommen.