Variabler Graufilter: „Rollei, ist das Euer Ernst?“

Schaut man im Internet nach Kommentaren zum Rollei Rundfilter F:X Pro mit einem Bereich von ND8 bis ND512, so findet man in der Regel sehr positive Kommentare. Für wie ich fand vergleichsweise schmales Geld (39 €) hatte ich mir daher den variablen Filter mit einem Bereich von ND8 bis ND512 (also 3-9 Blendenstufen) zugelegt und war zunächst über die damit einhergehende Flexibilität fasziniert. Die Verarbeitung wirkte sehr hochwertig, die Bedienung durch die auf dem Ring aufgedruckte Skala maximal einfach. Verwendet wird Gorilla-Glas, was eine hohe Kratzfestigkeit verspricht.

Wo setzt man einen Neutraldichtefilter bzw. Graufilter ein?

Was will man mit einem ND-Filter? Ein Neutraldichte- oder Graufilter soll eigentlich nichts anderes tun, als das einfallende Licht farbneutral zu begrenzen und damit die Belichtungszeit zu erhöhen. Kämpft man ansonsten gerne damit, die Belichtungszeit zu verlängern, um Verwacklungen zu vermeiden, macht man hier also das genaue Gegenteil. Warum das? Graufilter werden gerne eingesetzt, um Bewegungen besser darstellen zu können. Sehr offensichtlich und schnell verständlich ist dies bei Wasserfällen und Flussläufen, weil hier die Wasserbewegung durch die entstehende Unschärfe besser erkennbar ist. Auch für einen Wolkenzug kann man hiermit die Bilddramatik erhöhen, insbesondere wenn die Wolken in der Sichtachse ziehen. Ebenso wird er für Tiefenschärfe-Veränderungen eingesetzt: weniger Licht, größere Offenblende, unschärferer Hintergrund. Der Einsatz eines Stativs gebietet sich aber in der Regel, weil durch die verlängerten Belichtungszeiten die Verwacklungsgefahr steigt.

Rundfilter versus Rechteckfilter: Der Vergleich zweier Systeme

Grundsätzlich kann man zudem zwischen Rundfiltern und Rechteckfiltern unterscheiden. Rundfilter schraubt man aufs Objekttiv drauf und „stören“ damit so gut wie gar nicht. Rechteckfilter ermöglichen aber den Einsatz von Verlaufsfiltern: Bei Graufiltern ist die Lichtreduzierung nicht einheitlich über den ganzen Bildschirm, sondern wandert beispielsweise von hoher Abdunklung zu geringer. Der Rechteckfilter ermöglicht nun die exakte Positionierung der erforderlichen Abdunklung je nach Motiv, zum Beispiel einen Sonnenuntergang. Sie sind aber gegenüber dem Rundfilter vergleichsweise sperrig.

Rollei

Praktische Erfahrungen mit dem Rundfilter von Rollei

Zurück zum erworbenen variablen Rundfilter von Rollei. Bislang hatte ich den Filter nur bei Zeitrafferaufnahmen mit meiner Zweitkamera und einem 85 mm Festformat verwendet, um dort die Belichtungszeit in die Länge zu ziehen. Also mehr, um die eingesetzte Zeit gleich für 2 Aufnahmen und einer anderen Perspektive nutzen zu können, während die Hauptkamera mit einen Weitwinkel eingesetzt wurde. Hierbei wunderte ich mich immer etwas über die verhaltenen Farben der späteren Aufnahmen, die ich in der Nachbearbeitung deutlich korrigieren musste, ohne dies aber näher zu untersuchen. Manche Autoren schrieben hier von einem entstehenden Gelbstich. Im Grunde nicht sonderlich dramatisch, weil dies ja über die bekannten Fotobearbeitungsprogramme wie Lightroom etc. schnell korrigiert werden kann. Das es aber auch farbneutraler geht, zeigen ja die Rechteckfilter, bei denen ich eine Farbveränderung zumindest mit bloßem Auge nicht wirklich erkennen kann. Dies könnte also mit der technischen Bauweise eines variablen Filters zu tun haben, ist aber durch die Korrekturmöglichkeit nicht sonderlich kritisch.

Jetzt zum eigentlichen Kernproblem: Im letzten Urlaub wollte ich den Rundfilter an einem Weitwinkel-Objektiv einsetzen (wie gesagt vorher nur 85 mm Festbrennweite), um einen schönen Wolkenzug über eine lange Belichtungszeit festzuhalten. Siehe da: Extreme Abdunklungen links unten und rechts oben, also wie eine sehr dunkle Vignettierung., aber nicht in allen Ecken.

Foto 1 bei 18 mm (APS-C) im RAW-Format

rollei, rundfilter, test, abdunklung, enttäuschung, schlecht, bewertung, rand, ränder, dunkel, variabel, variabler

Foto 2 bei 18 mm (APS-C) im RAW-Format

Test-Ergebnis: Sehr unschöne Randabdunklungen bei kurzen Brennweiten

Aus diesem Grund habe ich mir den Filter nun genauer vorgenommen und hier das enttäuschende Ergebnis: Bei 18 mm extreme Abdunklungen in den beschriebenen Ecken, mit steigender Brennweite nehmen diese dann langsam ab (mein Weitwinkel-Zoom geht nur bis 35 mm). Beim 85 mm Objektiv keine Abdunklungen erkennbar.

Die Nachbearbeitung der Fotos wird dadurch deutlich aufwendiger, weil man ja den Flächenverlauf relativ genau treffen muss, um ein optimales Ergebnis zu erhalten. Dunkelt man sehr dunkle Flächen, steigt dadurch auch die Rauschgefahr. Die Farbveränderungen durch den Filter muss man zudem auch noch korrigieren.

Fazit: Bei „Kaufempfehlung“ bei mir keinen Daumen nach oben

Insgesamt finde ich das Ergebnis enttäuschend. Da der Filter ab einer bestimmten Brennweite ja durchaus brauchbar ist, sollte man dies ehrlich in der Produktbeschreibung kommunizieren. Macht Rollei aber nicht und entspricht nicht meinen sonstigen guten Qualitätserfahrungen mit diesem Anbieter. Aufgrund der Farbveränderungen werde ich eher ausschließlich auf die Rechteckfilter gehen, man verliert natürlich aber dadurch die Flexibilität, die Lichtreduzierung während der laufenden Zeitrafferaufnahme verändern zu können. Ich hatte in letzter Zeit im Online-Shop von Rollei diverse Produkte gekauft und bislang ausschließlich gute Erfahrungen gemacht, dies ist dann wohl der erste Dämpfer.

Dabei kann Rollei es besser, wie zum Beispiel bei den den magnetischen Rundfiltern bewiesen. Siehe hier diesen Artikel, ähnlich schnell, aber natürlich nicht ganz so flexibel wie ein variabler Filter. Dafür aber mit gutem Ergebnis! Erhältlich ist dieses für mich empfehlenswerte Set direkt auf der Rollei-Seite oder bei Amazon.