Welches Kamera-Objektiv kaufe ich für Zeitraffer-Aufnahmen?
Eine Zeitrafferaufnahme wird über das ausgewählte Objektive viel mehr beeinflusst als über den Kamerabody. Dies zum einen über die optische Qualität des Objektivs, aber natürlich auch über die gewählte Brennweite. Ein Grund mehr, sich mit dem Thema der Objektivwahl bei einer Zeitrafferaufnahme einmal näher zu beschäftigen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass viele Hobby-Fotografen nach dem Kamerakauf inklusive Kit-Objektiv aufgrund der Vielzahl der Entscheidungskriterien vor dem Kauf des nächsten Objektivs zurückschrecken oder meinen, dass ihr Superzoom ja den ganzen benötigten Brennweitenbereich abdecken würde. Gerade für Zeitrafferaufnahmen lohnt es sich, über den Kauf eines zusätzlichen, aber dann hochwertigen Objektivs nachzudenken.
Grundsätzliches
Zeitrafferaufnahmen werden vor allem über weitwinkligere Objektive aufgenommen. Dies wird schnell nachvollziehbar, wenn man sich am Himmel ziehende Wolken vorstellt. Erst das Zusammenspiel der Wolken mit der darunterliegenden Landschaft, gerne mit sich schnell verändernden Lichtverhältnissen, baut eine interessante Dramatik auf. Man ist immer wieder überrascht, welche Bewegungen im späteren Zeitrafferfilm sichtbar werden, die vorher beim Betrachten der realen Landschaft kaum wahrgenommen wurden. Verwendet man hingegen ein Tele-Objektiv, fokussiert man ja eher auf ein sich bewegendes Detail, das große Ganze geht damit eher verloren. Aber natürlich gibt es auch Situationen, wo auch der Einsatz eines Teleobjektives sinnvoll sein kann. Welches Objektiv und damit welcher Bildausschnitt nun geeigneter ist, kommt letztendlich auf das Motiv an. In der Regel sind aber eher die Weitwinkelobjektive die geeignetere Wahl.
Auswahl eines Objektivs
Jeder Kamerabody bedingt für das Objektiv bestimmte Restriktionen, sei es der Anschluss (Bajonett) oder der Sensor (beispielsweise APS-C oder Vollformat). Dies schränkt die Objektivauswahl naturgemäß auf die rein technisch möglichen ein und soll hier nicht weiter betrachtet werden. Bei dem Objektivkauf muss dies aber unbedingt vorher beachtet werden. Einen zukunftsfähigen Kauf tätigt sicherlich auch derjenige, der sich ein Vollformat-kompatibles Objektiv kauft, auch wenn er derzeit noch mit einem APS-C-Sensor unterwegs ist. So erspart man sich später den kompletten Wechsel seiner liebgewonnenen Objektive, falls man sich doch das Vollformat gönnt. Gegebenenfalls benötigt man zusätzlich noch einen Adapter für den Wechsel von ASS-C auf Vollformat.
Für die eigentliche Kaufentscheidung sind folgende Faktoren wichtig und sowohl für Laien wie auch für ambitioniertere Fotografen nachvollziehbar.
Brennweite
Wie schon gesagt werden für Zeitrafferaufnahmen im Landschaftsbereich oder in Städten eher Weitwinkelobjektive verwendet. Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dies nicht mit einem Superzoom abdecken zu wollen (beispielsweise mit einem 18-300 mm-Objektiv), sondern hier eher ein Spezialobjektiv einzusetzen, dessen Schwerpunkt nicht in einer möglichst großen Brennweitenabdeckung, sondern in einer qualitativ hochwertigen Abbildung eines kleineren Bereiches liegt. Ich setze hierfür ein Objektiv mit einem Brennweitenbereich von 18-35 mm ein und komme da im Landschafts- und Städtebereich sehr gut mit aus. Dies wird umso logischer, als dass man während der Zeitrafferaufnahme ja gerade nicht zu den lästigen Objektivwechseln genötigt wird, sondern mehrere Hundert Aufnahmen in einem Rutsch mit einer festen Brennweite macht.
Lichtstärke
Gerade die Superzooms neigen dazu, einem Kompromisse bezüglich der Lichtstärke aufzuzwängen. Hier sind die Festbrennweiten sowie die Objektive mit kleineren Brennweitenbereichen in der Regel im Vorteil. Speziell für Zeitrafferaufnahmen ist die Lichtstärke des Objektivs aber ein eher untergeordnetes Kriterium. Im Gegenteil: Häufig verwendet man Grau- oder Grauverlaufsfilter, um die Belichtungszeit zur Erzeugung von Bewegungsspuren zu verlängern. Von Astroaufnahmen oder anderen Aufnahmen bei schwachem Licht natürlich abgesehen. Um aber auch für normale Aufnahmen möglichst flexibel zu bleiben, ist eine gute Lichtstärke immer eine gute Wahl und damit doch ein wesentliches Kaufkriterium.
Was heißt das nun konkret? Die Lichtstärke bezeichnet die größte mögliche Blendenöffnung. Je größer die Blendenöffnung ist, umso mehr Licht fällt auf den Sensor, umso kleiner ist die Belichtungszeit, umso flexibler ist man bei der Gestaltung der Tiefenschärfe. Weil dies so wichtig ist, wird die Lichtstärke bei der Objektivbezeichnung mitgegeben, beispielsweise „Sigma 18–35 f/1.8 Art“, wobei die „1.8“ ein Hinweis auf die kleinste Blendenzahl gibt. Bei Zoom-Objektiven kann es vorkommen, dass sich die Lichtstärke über den Brennweitenbereich ändert, dann wird dies über einen Bereich angegeben, zum Beispiel „18-300mm f/3.5-6.3“. Bei 18 mm Brennweite ist das Objektiv also lichtstärker (3.5) als bei 300 mm (6.3).
Weil dies so wichtig ist, wird die Lichtstärke bei der Objektivbezeichnung mitgegeben, beispielsweise „Sigma 18–35 f/1.8 Art“, wobei die „1.8“ ein Hinweis auf die kleinste Blendenzahl gibt.

Im Bildbeispiel bekommt man auch noch den Gewindedurchmesser für Filter mitgeliefert (72 mm) sowie mit „DC“ den Hinweis, dass dieses Objektiv speziell für Digitalkameras mit Aufnahmesensoren bis zum APS-C-Format entwickelt worden ist.
Bei Zoom-Objektiven kann es vorkommen, dass sich die Lichtstärke über den Brennweitenbereich ändert, dann wird dies über einen Bereich angegeben, zum Beispiel „18-300mm f/3.5-6.3“. Bei 18 mm Brennweite ist das Objektiv also lichtstärker (3.5) als bei 300 mm (6.3).
Abbildungsleistung
Viel wichtiger in Bezug auf Zeitrafferaufnahmen dürfte die Abbildungsleistung des Objektivs sein.
Die bewegten Objekte sollen zwar gerne Bewegungsspuren aufweisen. Der stehende Teil des Motivs muss aber knackscharf abgebildet sein. Etwaige Unschärfen bekommt man hinterher nicht mehr glattgebügelt und man ärgert sich aufgrund der vergeudeten Lebenszeit, die Fotos gehen dann direkt in die Tonne. Während die für Zeitrafferaufnahmen eher zweitrangige Lichtstärke mit der technischen Bezeichnung des Objektivs mitgegeben wird, hat man in Bezug auf die Abbildungsqualität etwas mehr Arbeit, um diese vor einem Kauf beurteilen zu können. Im Idealfall leiht man sich das Objekt vorher aus und macht Testfotos. Oder man geht auf spezielle Seiten wie dxomark, in der für eine Vielzahl von Objektiv/Kamera-Kombinationen Messwerte hinterlegt sind. Fachzeitschriften sowie Internet-Rezensionen runden dann das Bild ab.
Maßgeblich auf die Abbildungsleistung zahlen die Güte und Verarbeitung der Linsen sowie die Präzision der Feinmechanik und Elektronik ein. Eine schlechte Verarbeitung macht sich in Form von niedriger optischer Auflösung, Verzeichnungen oder chromatischen Aberrationen bemerkbar. Stellt der Autofokus nicht zielsicher scharf, deutet dies auf Probleme mit der Feinmechanik hin.
Die optische Auflösung eines Objektivs gibt an, wie gut Strukturen voneinander getrennt dargestellt werden können. In der Praxis werden hierfür Testaufnahmen mit Strichmustern analysiert und bei Digitalkameras in Linienpaaren pro Millimeter angegeben. Hier spielt aber die Qualität des Kamerasensors sowie die zur Verarbeitung der Bildsignale verwendeten Hard- und Software mit rein. Erschwerend bei der Beurteilung der Auflösung kommt hinzu, dass diese schwanken kann, und zwar über die Kombination Brennweite/Blende, bekanntermaßen vor allem bei einer Offenblende. Der geübte Fotograf behilft sich damit, dass er sein Objektiv von der Offenblende ausgehend einige wenige Blendenstufen wieder schließt. Auch die Randbereiche eines Bildes verzeichnen bei manchen Objektiven gerne Auflösungsverschlechterungen.
Verzeichnungen/Verzerrungen

Damit sind Verkrümmungen des Bildes gemeint, Linien werden also zu Kurven, wie hier im Beispiel der Horizont. Dies lässt sich jedoch am PC mit geeigneter Software wie zum Beispiel Lightroom oder vergleichbaren Programmen sehr schnell per Knopfdruck beheben, hierfür sind in der Software bereits entsprechende Profile angelegt. Für die Kaufentscheidung ist dies somit nicht das entscheidende Kriterium, wenn man mit der geringen Mehrarbeit leben kann.
Man unterscheidet zwischen zwei Verzeichnungen: Die „optische“, welche sich durch das Design des Objektivs bestimmt und durch den Kauf einer qualitativ hochwertigen Linse vermeiden lässt. Und die „perspektivische“, die sich aus der Position des Motivs innerhalb des Bildes ergibt. Die optischen Verzeichnungen treten gerne bei Superzooms auf, im Beispielbild war es ein 18-300mm-Objektiv, welches zudem gleich noch eine Vignettierung mitliefert.
Vignettierungen
Hiermit sind Abdunklungen des Bildes zum Rand hin gemeint, Auch dies lässt sich später am PC leicht korrigieren, ist also ebenfalls zweitrangig. Trotzdem sind sie dann, wenn man sie nicht haben will, sehr unschön und müssen über die in der Bildbearbeitung dafür vorgesehenen Funktionen korrigiert werden. In bestimmten Situationen werden sie aber auch gezielt als Gestaltungsmittel eingesetzt

Chromatische Aberrationen


Ein sehr unschöner Effekt. Es treten farbige Ränder bei großen Kontrastunterschieden (zum Beispiel dunkles Motiv, heller Hintergrund) auf. Bei guten Objektiven werden diese minimiert, bei schlechten können sie einem das Bild verhunzen.
Gehäuse des Objektivs
Die Haptik eines Objektivs wirkt sich zwar nicht direkt auf die Bildqualität aus. Man sollte sich jedoch folgende Frage stellen: Wenn ein Objektiv von außen sehr billig wirkt, warum sollte sich der Hersteller innen mehr Mühe gegeben haben? Von „wetterfest“ und „staubdicht“ gar nicht zu reden. Ein wetterfestes Objektiv verhindert das Eindringen von Feuchtigkeit ins Innere, die Konsequenz eines Feuchtigkeitseinbruchs kann sich jeder ausmalen. Staubdichte ist bei Zoom-Objektiven ein Kriterium, weil bei manchen Objektiven durch das Drehen beim Zoomen Staub ins Innere des Objektivs befördert wird, den man dort schwerlich wieder hinaus bekommt.
Fazit
Die Vielzahl der möglichen Kriterien lassen erkennen, dass man sich eine Kaufentscheidung für ein Objektiv nicht zu leicht machen, sondern einige Zeit der Recherche einkalkulieren sollte. Dies schließt aus, dass man rein nach Katalog kauft, also ausschließlich vom Schnäppchenpreis ausgeht. Hier kann einem der regionalen Händler sicher einen guten Tipp geben, aber auch das Internet bietet gute Portale an. Für mich bewährt hat sich die Seite https://www.dxomark.com/Lenses/, die Kombinationen aus Kamera und Objektiv nach technischen Kriterien untersucht. Aber auch die Kommentare der bekannten Kaufportale geben einem gute Hilfestellungen, wenn man nicht jede für bare Münze nimmt.