Zeitraffer mit Dynamik: Gleitschienen, Dolly Slider und Co.

Zeitrafferaufnahmen gewinnen enorm an Faszination, wenn die Kameraperspektive nicht starr an einem Ort verbleibt, sondern sich horizontal, vertikal oder sogar mit einer Rotation verändert. Hierdurch ergibt sich ein dreidimensionaler Effekt, der den Bildern eine faszinierende Dynamik verleiht.

Ein professionelles Beispiel hierfür ist das Intro von House of Cards, welches sehr intensiv mit diesem Gestaltungsmittel spielt.

Faszinierende Zeitraffer-Sequenzen beim Intro der Serie „House of Cards“

Man sieht hier schön die perspektivische Veränderung des Betrachtungswinkels. Darüber hinaus wurden die Introsequenzen mit einem Zoom (rein oder raus) versehen. Dies kann man in Grenzen (zum Beispiel mit einem Zoom von 100 auf 110% oder umgekehrt) im Videoschnittprogramm erledigen. Bei deutlich größeren Zoomwerten sollte man dies wieder über die Kamera machen und ist quasi schon im Hyperlapsebereich, dies soll hier aber kein Thema sein.

Um die Seitwärts- oder Vertikalbewegung ruckelfrei und damit nicht aus der Hand hinzubekommen, benötigt man zwangsläufig ein technisches Hilfsmittel. Die verschiedenen Möglichkeiten sollen hier skizziert werden.

Der Dolly Slider als ständiger Begleiter

Dieser Kamerauntersatz hat 4 Räder und kann somit über glatte Oberflächen gerollt/geschoben werden Alternativ gibt es die Dollys auch mit Motor, um so zu einer gleichförmigen Bewegung zu kommen. Die Radachsen können mit einem Winkel versehen werden, so dass definierte Kurvenfahrten möglich sind. Standard-Gewinde sorgen für eine Verbindung mit der Kamera.

Unschlagbar sind einerseits der relativ niedrige Preis des Dollys, aber auch die geringe Größe. Durch die kompakte Bauweise lässt sich ein Dolly in der Regel leicht in einen Rucksack verpacken. 

Problematisch könnte hier die Verwendung von langen Objektiven sein, da die gesamte Konstruktion dann zum Kippen neigen dürfte.

Den Dolly-Slider gibt es natürlich auch mit Motor, siehe Beispiel im Amazon-Link. Der dargestellte Slider kann mit drei verschiedenen Geschwindigkeiten verwendet werden. Über die einstellbaren Rollen gelingen auch Kurvenfahrten.

Die Rechts-Links-Kombination: Die Gleitschiene

Eine Gleitschiene (engl.: Slider) wird entweder auf einem Stativ befestigt oder mit Füßen auf den Boden aufgestellt. Die Kamera wird auf den Schlitten aufgeschraubt und während der Aufnahme von einem zum anderen Ende des Sliders bewegt. Da die Schiene dazu neigt, sich durch das Gewicht der Kamera an den Enden etwas durchzubiegen (was sich wiederum im Bild durch ein Heben und Senken des Ausschnitts bemerkbar macht), ist die Aufstellung auf Füßen sicherlich die stabilere Position. Jedoch ist sie einerseits für den Filmenden unbequemer und die sich ergebende Perspektive auch nicht immer gewünscht. Die alternative Montage auf ein Stativ ist daher flexibler, die ungewünschte Bildveränderung kann wiederum im Schnittprogramm ausgeglichen werden.

Gleitschienen sind stabiler, mit Dollys kann man aber längere Strecken zurücklegen.

Die Gleitschienen gibt es in verschiedenen Längen. Der Preis ist hierbei bei der Auswahl der Länge eher untergeordnet, vielmehr ist wichtig, was man sich zutraut, bei der Outdoor-Fotosession dauerhaft mitzuschleppen. In meinen Rucksack kann ich eine 60 cm-Gleitschiene halbwegs gut verstauen. Ab 80 cm wird dies deutlich unvorteilhafter, auch die Durchbiegung der Schiene nimmt natürlich mit zunehmender Länge zu.

Selbstgebaute Gleitschienen mit Motor

Im Internet finden sich auf Youtube genügend Anleitungen (zum Beispiel hier mit Schaltplan), um zu einer selbst gebauten motorisierten Gleitschiene zu kommen. Die notwendigen Bauelemente bekommt man im Fachhandel. Bei dieser Selbstbaulösung ist zu bedenken, dass die gebauten Geräte in der Regel gerade an den Lötstellen der Kabel deutlich empfindlicher sein dürften als fertige Geräte aus dem Fachhandel. Da man nicht umhinkommt, die Schiene ständig aus dem Transportbehälter (Rucksack etc.) rauszuholen und nach der Aufnahme wieder zu verstauen, sehe ich das Risiko, dass sich ein Kabel genau dann löst, wenn man es überhaupt nicht gebrauchen kann.

Das modulare Gleitschienenset

Bei langsamen Bewegungen des Schlittens wird man schnell feststellen, dass man dies nicht aus der Hand ruckelfrei hin bekommt. Also benötigt man auch hier ähnlich dem Dolly einen Motor.

Komplettsysteme fand ich relativ teuer, so habe ich mich für ein modulares System von der Firma Ratrig entschieden, bei der man die Gleitschiene, den Motor und die Steuerungseinheit getrennt kaufen kann. Optional kann man auch noch Standfüße erwerben.

Kern-Anforderung an ein Motion-Control-System
Reisegeeignet => Größe und Gewicht
Systemqualität => Stabilität/Robustheit
Ausbaubar => modulares System
Zuverlässigkeit => ausgereifte Technik, vor allem Steuerungseinheit und Kabelverbindungen

Den Motor gibt es in drei Geschwindigkeitsstufen: langsam, mittel, schnell. Die mittlere Motorstufe reicht beispielsweise, um bei einer Schienenlänge von 60 cm eine Seitwärtsbewegung von ca. 30-150 Sekunden hinzubekommen. Die langsamere Motorstufe wäre beispielsweise für Sonnenuntergänge geeignet, wo man über einen längeren Zeitraum aufnimmt. Für die schnellere Motorstufe habe ich für mich keine Einsatzmöglichkeit gesehen.

Die Steuerungseinheit  beinhaltet  das Modul zum Einstellen der Geschwindigkeit sowie einen Kasten für die Batterien. Ein Netzteil kann man ebenfalls erwerben, machte für mich bei den geplanten Außeneinsätzen keinen Sinn.

Nachteilig ist bei diesem System von Ratrig, dass man bei der Aufnahme immer beide Geräte (Steuerungseinheit und Batteriekasten) in der Hand hat, da an der Schiene keine Befestigungsmöglichkeit werksseitig vorgesehen ist. Hier werde ich mir noch ein workaround überlegen müssen.

Steuerungseinheit, in welche die Kabel des Motors und des Batteriekastens gesteckt werden
Batteriekasten mit Steckverbindung zur Steuerungseinheit

Bei Interesse gibt es hier die Montageanleitung. Man wird erkennen, dass man diese auch mit wenig Begabung hinbekommen wird.

Fazit

Das vorgestellte System ist mit Sicherheit nur ein Einsteigersystem, dafür aber ohne Zusatzextras für ca. 300€ erhältlich. Für die Erstversuche einer Zeitrafferaufnahme mit Motion-Control aber für mich der ideale Einstieg, ohne finanziell gleich in die Vollen gehen zu müssen.