Gerade für die Reisefotografie und Zeitrafferfotografie benötigt man ein Stativ, welches nichts wiegt, kein Platz im Rucksack einnimmt, schnell aufzubauen ist und sehr stabil ist. Ok, das gibt es gar nicht. Also wird jegliches Stativ immer ein Kompromiss sein, welches die Eigenschaften so kombiniert, dass es für den jeweiligen Einsatzzweck optimal ist. Gegebenenfalls hat man im Idealfall sogar mehrere Stative und nimmt das jeweils passende zum Aufnahmeort mit. 

Um im Folgenden die einzelnen zu beachtenden Punkte bei einem Stativkauf aufzuzeigen, werde ich dies anhand meines eigenen Kaufes eines Reisestativs behandeln und aufzeigen, welche Punkte letztlich zur Kaufentscheidung geführt haben. Es handelt sich dabei um „3 Legged Thing Punks Anarchy Travis Allround-Reise“, siehe auch das beigefügte Amazon-Widget. Es sei hier ausdrücklich betont, dass letztlich die Abwägung meiner persönlichen Erwartungen zu dieser Kaufentscheidung geführt haben und es natürlich noch viele andere brauchbare Stative gibt. Dieses Stativ soll hier nur zur Darstellung der Kaufparameter dienen. Zudem sei angemerkt, dass ich dieses Stativ wie alle Produkte auf dieser Website selbst finanziert habe und es durch niemandem gesponsert wurde.

Stativ-Kauf: notwendiges Budget

Das für mich persönlich alles überragende Kriterium war natürlich der Preis. Mir war klar, dass für mich kein Stativ der Billigkategorie für meine Zwecke geeignet war. So eins hatte ich bereits für den Notfall. Es war aber sehr klapprig und insbesondere für den Einsatz von voluminösen Gleitschienen komplett ungeeignet. Andererseits ist es „nur“ ein Stativ und damit nur ein Hilfsmittel zur Filmaufnahme. Mein persönliches „gefühltes“ Limit lag damit vor der Suche bei ca. 200€. Während der Stativsuche habe ich festgestellt, dass man innerhalb dieses Limits auch sehr gut fündig werden kann – wenn man sich kompromissbereit zeigt.

Rollei

Stativ-Kauf: Gewicht und Tragfähigkeit

Ein weiteres wesentliches Kriterium für die Auswahl ist das Gewicht des Stativs. Hier ist zu beachten, dass man ja neben dem Stativ mindestens noch eine Kamera oder einen Fotoapparat mitschleppen muss. Hinzu kommen gegebenenfalls noch Gleitschienen und deren Steuerungseinheiten, Gelenkköpfe, Ersatzbatterien, Lampen, usw. Zusätzlich zur sich entgegengesetzt verhaltenen Kombination Gewicht/Stabilität kommt natürlich auch noch die Komponente Kosten dazu. Nimmt die Stabilität bei leichter werdenden Gewicht in der Regel ab, kann man sie sich durch hochwertigeres Material wieder hinzukaufen. Dies kostet aber wieder mehr Geld. Das von mir gekaufte Stativ hat ein Gewicht inklusive Kugelkopf von 1,6 Kg. Dies hört sich wenig an, ist ja aber in der Addition mit den Fotoartikeln zu sehen, die man mit sich herumschleppt. Entscheidend für den Kauf war aber für mich die vom Hersteller angegebene Tragfähigkeit von 18 kg, die für meine Zwecke (Kamera + Gleitschiene) ausreichend sein sollte. Alle anderen Stative, die ich recherchiert hatte, waren bei niedrigerem Gewicht entweder deutlich teurer, sahen klapprig aus oder die Tragfähigkeit war deutlich niedriger. 

Der spätere Einsatz des Stativs hat gezeigt, dass der Begriff Tragfähigkeit durchaus dehnbar ist. Wenn man ihn so auslegt, dass das Stativ unter dem Gewicht nicht zusammenbricht oder schnell umfällt, erfüllt das „3 Legged Thing“-Stativ dieses Kriterium uneingeschränkt. Wenn man es schärfer auslegt, dass sich die Gleitschiene an den äußeren Enden nicht absenkt, wenn sich die Kamera dort befindet (Stichwort Durchbiegen“), dann ist dieses Stativ nur leicht eingeschränkt brauchbar. Allerdings kann man dies später bei der Bildverarbeitung ja wieder ausgleichen, schränkt aber den Bildausschnitt etwas ein.

Stativ-Kauf: Stabilität

Was bedeutet eigentlich Stabilität? Dies meint einerseits den sicheren Stand des Stativs, beispielsweise bei Wettereinflüssen wie Wind. Andererseits ist hiermit auch das Belastungsgewicht gemeint. Hat man später Kamera, Gelenkkopf und Gleitschiene auf dem Stativ montiert und die Kamera fährt von der einen zur anderen Seite, sollte dies das Stativ so mitmachen, dass dies nicht zu einer Perspektivenveränderung führt, die Gleitscheine also horizontal wegkippt. 

Zum Belastungsgewicht und Wegkippen der Gleitschiene habe ich im vorherigen Abschnitt schon etwas geschrieben. Auf das gekaufte Stativ „3 Legged Thing“ bezogen. Zur Stabilität gegen Wind sei gesagt, dass gerade böiger seitwärts kommender Wind sich bei der Aufnahme bei diesem Stativ schon bemerkbar machen wird, dafür ist es dann doch zu leicht. Der Einfluss ist umso größer, je weiter die Stativbeine und die Mittelsäule ausgefahren sind. Das Stativ bietet zwar eine Möglichkeit des Beschwerens durch eine Befestigungsmöglichkeit eines mitgelieferten Karabinerhakens (an dem man beispielsweise einen Sandsack hängen kann). Habe ich selbst aber noch nicht mangels Praktikabilität ausprobiert und habe in anderen Stativtests auch schon gelesen, dass dies nur einen unerheblichen Einfluss auf die Stabilität hat. Aber testet im Zweifel selber.

Stativ-Kauf: Größe des Stativs

Die Größe des Statives ist in mehrerer Hinsicht relevant. Erstens will man bequem im Stand filmen und mit dem Stativ auch filmische Hindernisse wie Geländer überwinden. Hierfür benötigt man eine möglichst große Arbeitshöhe, die aus Stabilitätsgründen ohne ausgefahrene Mittelsäule ausreichend sein sollte

Soll vom Boden aus gefilmt werden, so könnte auch die kleinste (eingefahrene) Arbeitshöhe entscheidend sein. Das „3 Legged Thing“ hat hierfür mehrere Rasterstufen der Beine, do dass man da Stativ damit sehr flach und stabil über dem Boden aufstellen kann.

Sehr wichtig für den Rucksack ist vor allem auch das Packmaß: wie groß ist das Stativ im eingefahrenen und zusammengebauten Transportmodus? Hierzu sollte man seinen Fotorucksack mit ins Geschäft nehmen und austesten, ob man den Rucksack mit eingepacktem Stativ noch zubekommt. Das „3 Legged Thing“ hat im Grunde zwei Packmaße: a) lediglich komplett eingefahrene Beine, dabei schaut der Stativkopf aber oben raus, das Stativ ist damit größer. Für den schnellen Transport von einem Spot zum nahegelegenen anderen der schnellere Weg. Oder b): Man klappt die Beine um 180 Grad um und damit quasi über den Stativkopf rüber. Ist damit etwas aufwendiger, aber hierdurch erzielt man die geringste Höhe des Stativs für den Transport über längere Strecken.

Stativ-Kauf: Kugelkopf oder Gelenkkopf?

Sinnvoll für einen Einsatz mit Gleitschienen sind für mich entweder Kugelköpfe oder Gelenkköpfe. Bei Gelenkköpfen stellt man jede Achse für sich ein, beim Kugelkopf durch die Kugelform alle drei Achsen auf einmal. Ich habe beides im Einsatz und empfinde die Einstellung über drei separate Achsen als für Time lapse-Aufnahmen zu umständlich. Da es sich ja in der Regel um sich bewegende Objekte handelt, kann es unter Umständen auf Geschwindigkeit ankommen, die Gleitschiene mit Kamera also schnell in Position zu bekommen, um mit der Aufnahme starten zu können. Hier ist der Kugelkopf eindeutig im Vorteil. Wichtiger ist es aber, beim Kauf darauf zu achten, dass die gemachten Einstellungen auch fest anziehbar sind. Durch die sich verlagernden Gewichtsverhältnisse bei einem Gleitschieneneinsatz wird der Kugelkopf (oder die Gelenke) besonderen Belastungen unterzogen. Wenn sich die Kugel im Kopf während der Aufnahme bewegt, ist die Aufnahme definitiv verhunzt. 

Astro-Fotografen aufgepasst: Wie im Foto vom Kugelkopf meines Statives ersichtlich kann man dieses Gelenk durch die Einkerbung komplett nach unten klappen, so dass man auch fast senkrecht nach oben in den Himmel filmen und fotografieren kann. Dies kann ich nur bei meinem Reisestativ, mein stabileres Manfrotto-Stativ kann dies nicht. Hier kann ich nur mit unterschiedlichen Beinlängen arbeiten, was aber sehr wacklig ist und der Winkel auch nicht in die Senkrechte reicht. Bereits der zum Teil sehr hoch stehende Mond bringt ein Stativ ohne die Möglichkeit zur Senkrechtstellung hier schnell an seine Grenzen.

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Kugelkopf eines Reisestativs

Damit ist auch schon der Vorteil des Gelenkkopfes genannt: Ich persönlich empfinde ihn als stabiler und in der Feinjustage besser zu handeln (man stellt ja jeweils nur eine Achse ein).

Stativ-Kauf: Weitere Parameter

  • Die Anschlüsse der Stative (Gewinde für die Köpfe) sind mittlerweile genormt, hier braucht man also nicht auf Kompatibilität mit den Kameras zu achten.
  • Die Fixierung der Stativbeine erfolgt über Klemm- oder Drehverschlüsse. Dies ist Geschmackssache oder alternativ sogar egal. Für meine Zwecke bieten beide Arten die gleichen Vor- und Nachteile vor allem in Bezug auf Schnelligkeit und Stabilität. Bei Klemmverschlüssen bekommt man das gewünschte Maß eventuell exakter hin, da man bei Drehverschlüssen ja beide zu fixierenden Beinteile noch gegeneinander bewegt. Das von mir gekaufte Stativ hat aber Drehverschlüsse und es hat mich bislang noch nicht gestört.
Drehverschluss eines Stativs zum Verstellen der Beinlänge
  • Die Winkel der Beine zueinander haben naturgemäß einen Einfluss auf die Standfestigkeit des Stativs. Insbesondere bei langen Gleitschienen und schweren Kameras oder Objektiven ergeben sich größere Hebelwirkungen zur Seite oder nach vorn und hinten, die zum Umkippen des Stativs führen können. Damit dies nicht mitten in der Aufnahme passiert, kann man dem mit größeren Winkeln entgegenarbeiten. Das beschriebene Stativ hat mehrere Winkel, die dann mechanisch durch eine Sperre fest arretiert werden. Vor der Kauf war dies kein Kriterium, im Gebrauch hat sich dies aber als sehr nützlich erwiesen. 
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Arretierung der Anstellwinkel der Stativbeine
  • Beim Material kann man meines Erachtens die Kategorie Holz getrost ausschließen. Alle möglichen Vorteile werden bei der Verwendung als Reisestativ erschlagen durch das hohe Gewicht. Die verbleibenden Materialien Aluminium und Carbon werden zu einer Abwägung zwischen Kosten und Gewicht. Bei wem Geld keine Rolle spielt, kann gleich zu Carbon greifen. Bei schmalerem Geldbeutel sollte man sich die Alternativen bei Aluminium anschauen und den Gewichtsnachteil von 20-30% in Kauf nehmen.
  • Manche Stative bieten eine umklappbare Mittelsäule, damit die Kamera nicht mehr zentral über dem Stativ sitzt. Aus Stabilitätsgründen kommt dieses Feature für Aufnahmen mit ausladenden Gleitschienen nicht in Frage und wird daher auch nicht weiter beleuchtet.
  • Eine Wasserwaage ist teilweise auch in die Stative integriert. Da moderne Kameras dies mittlerweile integriert haben, sehe ich hier kein Vorteil. Insbesondere bei Dunkelheit wird man immer auf die digitale Kamera-Wasserwaage im Display zugreifen.

Stativ-Kauf: Fazit

Zu welchem Stativ würde ich also raten? Für Zeitrafferaufnahmen bot sich für mich ein Stativ an mit Kugelkopf, einigermaßen leicht bei trotzdem hoher Tragfähigkeit, Kategorie Reisestativ, aus Kostengründen Aluminium und es sollte in meinen Rucksack passen. Im Ergebnis bin ich dann wie oben skizziert zu meinem „3 Legged Thing Punks Anarchy Travis Allround-Reise“ gekommen, mit dem ich persönlich rund um glücklich bin. Sofern man einige der Parameter anders beurteilt oder gar noch ein besseres Stativ auf dem Markt findet, kann ein jeder natürlich zu anderen Ergebnissen kommen. Nachteil des Stativs ist, dass man es online bestellen muss, ich habe den Anbieter jedenfalls in einem deutschen Laden noch nicht gesehen. Ein Zubehörkauf ist damit aufwendiger, bei mir war dies so beim Kauf einer zweiten Zubehörplatte, die ich in keinem Laden gefunden habe und online bei enjoyyourcamera.de bestellen musste. 

Zusätzlich habe ich aber auch ein sehr stabiles Manfrotto-Stativ, welches ich immer dann nehme, wenn der Transport keine Rolle spielt und ich damit die Nachteile eines Reisestativs nicht in Kauf zu nehmen brauche.